Landwirtschaft und Kunst
Jochen Weise
Hinter den Höfen
Der Maler Jochen Weise hat in Braunschweig bei Malte Sartorius Malerei studiert und sich vor einigen Jahren ganz gezielt nach Meinersen, einem Dorf in der Südheide, im Landkreis Gifhorn, begeben, um im dortigen Künstlerhaus, in Klausur zu gehen und seine malerischen Ideen voranzubringen. Er, der in seiner Jugend im ländlichen Raum um Göttingen, in Gleichen aufwuchs und später in der Großstadt arbeitete und dort den Nährboden für seine Kunst vorfand, entdeckte nach vielen Experimenten die Ästhetik der unscheinbaren ländlichen Milieus. Das, was hinter den Höfen lagert, herumliegt und in Vergessenheit geriet erregt sein bildnerisches Interesse. Zeichnungen, Holzschnitte und Fotos aus seiner Nachbarschaft, in dem niedersächsischen Meinersen, die u.a. 2016 in der Hannoverschen „Galerie vom Zufall und vom Glück“ und in der Herbstausstellung Niedersächsischer Künstler gezeigt wurden. Er sieht, dass in diesen Gebrauchsgeräten und Materialien, Buden und Remisen versteckte oder aufgehobene Potenzial – einerseits durch die noch von der Jugend herrührende nostalgische Bindung – andererseits hat er sich in seiner Malerei so viele Möglichkeiten erarbeitet, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, aus so etwas Bilder zu machen. Ähnlich, wie Arno Schmidt durch seine Kenntnis und Beherrschung vieler Textsorten sich dem Ländlichen, ja ganz und gar Dörflichen, einfühlsam und distanziert zugleich nähern konnte, ohne ein Lokalschriftsteller zu werden, so kann es sich Jochen Weise ebenfalls leisten, die Provinz zum Gegenstand zeitgenössischer Malerei zu machen. Jochen Weise hat sich immer intensiv mit den verschiedensten Künstlern beschäftigt und sich im Laufe der Jahre immer wieder zu neuen Bilderserien anregen lassen. Die daraus erworbenen Erfahrungen haben seine neuen Arbeiten ermöglicht und zu dem gemacht, was sie sind: sehr persönliche Zeugnisse des eigenen Blicks auf das Alltägliche, präzise und kalkuliert aber ebenso frei in der Improvisation. Das ist eine wirklich gelungene Synthese aus dem, was es objektiv zu sehen gibt, der subjektiven Erfahrung und einem entwickelten Kunstanspruch.
Giso Westing 2018