Artist Statement
Meine Inspiration, Porträts zu erschaffen, entspringt meiner tiefen Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche – insbesondere mit den Spuren, die Traumata in uns hinterlassen. Neben meinem Kunststudium habe ich mehrere psychologische Ausbildungen absolviert (Heilpraktikerin für Psychotherapie, NLP, neurosystemische Integration). Die neurosystemische Integration nach Verena König hat mich dabei besonders geprägt.
Wir alle leben in Systemen. Ein Trauma betrifft nie nur einen einzelnen Menschen, sondern stets sein gesamtes Umfeld. Es ist Ausdruck einer kollektiven Erfahrung, die sich in lang anhaltenden Konflikten, Kriegen, generationsübergreifenden Belastungen oder auch in gesellschaftlichen Strukturen wie Rassismus zeigt.
Besonders häufig porträtiere ich Frauen, da sie in vielen Kulturen bis heute benachteiligt sind. Ihre Stimmen und Erfahrungen bleiben oft ungehört. Mit meinen Werken möchte ich ihre Stärke , Würde und Verletzlichkeit sichtbar machen und ihnen den Raum geben, der ihnen zusteht.
Meine Porträts zeigen Menschen unterschiedlicher Herkunft, weil wir trotz kultureller Unterschiede dieselben Grundemotionen teilen: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel, Überraschung und Verachtung – universelle Gefühle, die Paul Ekman in kulturübergreifenden Studien beschrieben hat. Sie machen uns alle zutiefst menschlich und verbinden uns miteinander.
In meiner Technik kombiniere ich Spachtelmasse aus Marmor, die beim Trocknen Risse bildet, mit klassischer Ölmalerei auf angefertigten Aluminium-Lochblechen. Die Risse stehen für die Brüche und Geschichten unseres Lebens, die uns einzigartig machen. Das Lochblech wiederum symbolisiert die Durchlässigkeit unseres Gehirns. Nach neuesten neurobiologischen Erkenntnissen hinterlassen traumatische Erfahrungen Spuren im Nervensystem, doch zugleich verfügt unser Gehirn über Neuroplastizität – die Fähigkeit, sich durch Erfahrungen und Lernen ein Leben lang zu verändern.
So entsteht ein Spannungsfeld aus Verletzlichkeit und Heilung, Zerbrechlichkeit und Transformation. Mit meiner Kunst möchte ich Bewusstsein für diese Prozesse schaffen und einen Raum eröffnen, in dem wir uns in unserer ganzen Menschlichkeit begegnen können. Sie ist ein Aufruf zu mehr Verbundenheit, die uns Sicherheit schenkt – und die Kraft hat, die Welt zu verändern.