Viele Wege führen zum Ruhm. Der Fall von Eugène Atget (1857-1927), einem französischen Fotografen des frühen 20. Jahrhunderts, ist eine besondere Geschichte, die er selbst gar nicht miterlebte. Atget arbeitete im Stillen, fertigte seine Fotos der Pariser Straßenszenen häufig in den frühen Morgenstunden an. Seine mysteriös wirkenden Werke sind auch Dokumente des rasanten Wandels, den die Stadt um 1900 erfuhr. Die Ausstellung Eugène Atget: The Making of a Reputation des International Center of Photography erzählt nach, wie Atgets Fotografien berühmt wurden. Verantwortlich dafür ist vor allem die Fotografin Berenice Abbott (1898-1991), die Atget ein Jahr vor dessen Tod kennen lernte. Die Schau läuft noch bis zum 04. Mai in New York.
Eugène Atget arbeitete zunächst als Schauspieler, mangelnder Erfolg veranlasste ihn aber bald dazu, sein Hobby zum Beruf zu machen. So zog er mit seiner schweren Großformatkamera durch Paris und dokumentierte Gassen, Gebäude, Kutschen, Schaufenster und die Bewohner der Hauptstadt. So hielt er eine Zeit fest, die bereits wenige Jahre später aufgrund von Modernisierungen wie dem Auto der Vergangenheit angehören sollte. Atget verkaufte seine Bilder billig an Touristen und Kunstschaffende, vor allem an Man Ray, der in derselben Straße wohnte. Man Ray machte die Bilder unter den Surrealisten bekannt, ihm zufolge haben sie surrealistische Züge gezeigt, noch bevor es diese Kunstrichtung überhaupt gab. Atget wehrte sich jedoch dagegen, er sah in seinen Bildern reine Dokumentation. Berenice Abbott erbte Man Rays Sammlung nach dessen Tod 1976 und veröffentlichte Atgets Arbeiten. Erst 50 Jahre nachdem er verstorben war, wurde Atget berühmt. Er gilt heute als wichtiger Vorreiter der dokumentarischen Fotografie.