New York: Museum of Modern Art

Alle Gesichter des Marcel Duchamp

Er legte sich künstlerisch nie fest, forderte durch stete Innovation sich selbst und die Kunst heraus: Marcel Duchamp gilt als einer der einflussreichsten Avantgardisten des 20. Jahrhunderts. Das Museum of Modern Art in New York widmet ihm noch bis zum 22. August eine große Retrospektive.

15. April 2026
Marcel Duchamp. Why Not Sneeze, Rose Sélavy?, 1921
Marcel Duchamp. Why Not Sneeze, Rose Sélavy?, 1921. Painted metal birdcage, wood, marble cubes, a pair of white glass dishes, thermometer, cuttlebone, 4 7/8 x 8 3/4 x 6 3/8 inches (12.4 x 22.2 x 16.2 cm). Philadelphia Art Museum: The Louise and Walter Arensberg Collection

Die letzte große Retrospektive von Marcel Duchamp (1887-1968) in den USA war 1973 zu sehen, organisiert vom Museum of Modern Art in New York und dem Philadelphia Museum of Art. Nun arbeiten beide Institutionen erneut zusammen, um die bisher umfassendste Zusammenstellung von Duchamps Œuvre zu präsentieren: über 300 Gemälde, Skulpturen, Filme, Fotografien, Zeichnungen und Druckgrafiken verdeutlichen, wie vielfältig und uneingeschränkt Duchamp in seiner sechs Jahrzehnte währenden Laufbahn gearbeitet hat. Er wird regelmäßig in die Nähe des Surrealismus und des Dadaismus gerückt, fühlte sich aber nie einer Kunstgattung zugehörig, sondern suchte die konstante Innovation, die die Grenzen der Kunst erweitert. Eines seiner berühmtesten Werke, die diese Suche repräsentiert, ist sein heute verschollenes Readymade Fountain (1917). Eine weitere Arbeit, die ihn international bekannter machte – zuvor war Duchamp vor allem Kennern ein Begriff –, ist sein tragbares »Museum« The Box in a Valise (1935-41), für das er alle seine bis dahin geschaffenen Kunstwerke als Miniatur reproduzierte. Die große Retrospektive Marcel Duchamp deckt alle Facetten des außergewöhnlichen Künstlers ab. Sie ist noch bis zum 22. August im Museum of Modern Art in New York zu sehen.

»Mehr als jeder andere moderne Künstler hat Duchamp die Definition eines Kunstwerks infrage gestellt und verändert«, erläutert Michelle Kuo, Chief Curator at Large and Publisher, MoMA. »Duchamps Einfluss ist unbeschreiblich, und seine unzähligen Beiträge haben ihn zu einer der wichtigsten Figuren der modernen Kultur gemacht. Unsere Ausstellung wird zeigen, wie Duchamp die konventionellen Gegensätze zwischen Hand und Maschine, Original und Kopie, Absicht und Zufall sowie Materie und Idee auf den Kopf gestellt hat.« Zu Duchamps Werk gehört auch das Spiel mit Geschlechterrollen und Selbstrepräsentation: etwa im Jahr 1920 erschuf er das weibliche Alter Ego Rrose Sélavy. Die letzten zwei Jahrzehnte von Duchamps Karriere waren vom Aufstieg seines internationalen Renommees und von bedeutenden Ausstellungen geprägt, darunter seine erste Retrospektive im Pasadena Art Museum im Jahr 1963. Häufig wurden dabei Ausstellungskopien von Kunstwerken präsentiert, die von Duchamp autorisiert worden waren. Diese Idee stand im Einklang mit seiner Faszination für Reproduktionen und seinen radikalen Ansichten zur Urheberschaft.Art.Salon

Marcel Duchamp. To Be Looked at (from the Other Side of the Glass) with One Eye, Close to, for Almost an Hour, Buenos Aires 1918
Marcel Duchamp. To Be Looked at (from the Other Side of the Glass) with One Eye, Close to, for Almost an Hour, Buenos Aires 1918. Oil, silver leaf, lead wire, and magnifying lens on glass (cracked), mounted between panes of glass in a standing metal frame, 20 1/8 x 16 1/4 x 1 1/2″ (51 x 41.2 x 3.7 cm), on painted wood base, 1 7/8 x 17 7/8 x 4 1/2″ (4.8 x 45.3 x 11.4 cm). The Museum of Modern Art, New York

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