Die schwedische Künstlerin Hilma af Klint (1862-1944) ist nicht nur wegen ihres Schaffens eine interessante Person der Moderne: Zu Lebzeiten zeigte sie nur wenige Werke öffentlich, ihre heute berühmten abstrakten Arbeiten präsentierte sie gelegentlich nur in Gesellschaft spirituell Gleichgesinnter und bei Séancen. In ihrem Testament legte sie fest, dass ihr Werk 20 Jahre lang nach ihrem Tod nicht öffentlich gezeigt werden darf. So lernte die Welt ihre Arbeit erst 1986 in der Ausstellung The Spiritual in Art: Abstract painting 1890–1985 des Los Angeles County Museum of Art kennen. Mittlerweile gilt sie als bedeutende künstlerische Kraft der Moderne. Jahre bevor abstrakte Kompositionen für Aufsehen sorgten und zum Ruhm vieler Künstler wie Kandinsky und Mondrian beitrugen, erschuf af Klint ihre vom Spiritualismus beeinflussten Abstraktionen. In einer gemeinsamen Ausstellung des Grand Palais und des Centre Pompidou sind nun viele Werke der Künstlerin erstmals in Frankreich zu sehen, darunter ihr Hauptwerk, der Zyklus Tempelbilder (1906-1915), und die monumentale Serie Die zehn Größten (1907). Hilma af Klint, kuratiert von Pascal Rosseau, läuft vom 06. Mai bis zum 30. August im Grand Palais in Paris.
Hilma af Klint gilt als Pionierin der abstrakten Malerei und als herausragende Malerin des frühen 20. Jahrhunderts. Ab 1917 begann af Klint mit einer neuen Art des Selbststudiums, da die bisherige Richtung ihrer Kunst sie nicht mehr zufrieden stellte. Sie widmete sich Naturstudien, die sie mit Elementen ihrer spirituellen, abstrakten Malerei vereinte und so auch die spirituellen Kräfte von Pflanzen abbildete. Die Künstlerin war überzeugt, dass das Naturstudium den Weg zum Verständnis des menschlichen Wesens ebnete. Af Klint war Teil der bekannt gewordenen Ausstellung Women in Abstraction. Another History of Abstraction in the 20th Century des Centre Pompidou im Jahr 2021, die anschließend im Guggenheim Museum in Bilbao und im West Bund Museum in Shanghai gezeigt wurde.