Die ARTE-Dokumentation Der weiße Blick - Expressionismus und Kolonialismus beleuchtet den deutschen Expressionismus erstmals im Kontext von kolonialer Ausbeutung und rassistischer Menschenkunde. Der Film fasst die beiden gefeierten Künstler Emil Nolde und Max Pechstein exemplarisch ins Auge. Sie reisten 1910 in das damalige »Deutsch-Neuguinea«, das zu diesem Zeitpunkt bereits durch deutschen Kolonialismus zerstört war. Ihre Reise sollte die deutsche Malerei revolutionieren und sich an der ursprünglichen indigenen Kunst orientieren. Pechstein und Nolde blendeten den Untergang dieser für sie fremden, »paradiesischen« Welt aus und malten mit dem »weißen Blick«, der von romantischen, idyllischen Landschafts- und rassekundlichen Menschenbildern geprägt war.
Der Film ergründet die schwelende »Südseesehnsucht« und die Vorstellung von den »fremden« Menschen der beiden Maler, die sie bei ihren Besuchen der völkerkundlichen Museen in Dresden und Berlin nach dem Vorbild Paul Gaugins verinnerlicht zu haben schienen. Außerdem thematisiert ARTE das abrupte Ende der durch Schulden finanzierten Exkurse, das 1914 mit dem Einbruch des Ersten Weltkrieges einkehrte. Der weiße Blick - Expressionismus und Kolonialismus ist eine sehenswerte Dokumentation, die die Hintergründe des deutschen Kolonialismus näherbringt und alte wie aktuelle Diskurse begreifen lässt.