Ein ambivalentes Werk zwischen Anerkennung und Ausgrenzung
Berlin: Brücke-Museum zeigt Irma Stern
Ein ambivalentes Werk zwischen Anerkennung und Ausgrenzung
In Südafrika verehrt, in Deutschland heute nahezu unbekannt: Erstmals wird in Berlin in einer Einzelausstellung das ambivalente und unkonventionelle Werk von Irma Stern präsentiert. Das Brücke-Museum eröffnet Irma Stern. Eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt am 13. Juli.
In Südafrika gehört ihr Schaffen zum nationalen Erbe des Landes, in Deutschland geriet sie nach den 1920ern in Vergessenheit: Die südafrikanische Künstlerin Irma Stern (1894-1966), Tochter deutscher Auswanderer, verbrachte ihre Jugend abwechselnd in Südafrika und Deutschland, bevor sie sich 1920 endgültig in Kapstadt niederlässt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich durch erfolgreiche Ausstellungen, auch in Frankreich und den Niederlanden, als Malerin einen Namen gemacht. 1922 stellte sie erstmals in Südafrika aus, ihre Arbeit wurde als schockierend wahrgenommen und verspottet. Ihre unkonventionellen Gemälde, besonders ihre Darstellung von Schwarzen abseits von Klischees, stießen auf Unverständnis und wurden beispielsweise als »Beleidigungen der menschlichen Intelligenz« bezeichnet. Genau diese Art der Darstellung ist jedoch der Grund für ihre heutige Verehrung in Südafrika, wo ab den 1940ern eine allgemeine Anerkennung ihres Werks einsetzte. Das 1972 eröffnete Irma Stern Museum zählt zu den beliebtesten Kunstmuseen des Landes. Ab dem 13. Juli zeigt das Brücke-Museum in Berlin die erste Einzelausstellung Sterns in der Stadt, in der sie prägende Jahre ihrer Jugend verbracht und ab 1912 die private Kunstschule Albert Reimanns besucht hat. Irma Stern. Eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt läuft bis zum 02. November und präsentiert über 40 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die überwiegend aus südafrikanischen Sammlungen stammen.
Den Werken Irma Sterns sind kritische Kommentare aus queerer Schwarzer Perspektive des südafrikanischen Künstlers Athi-Patra Ruga (*1984) gegenübergestellt. Denn Sterns Werk ist ambivalent: Als weiße Malerin profitierte sie von den rassistischen Gesellschaftsstrukturen des Landes und des Kolonialismus. Sie konnte sich als »Expertin« Schwarzer Kulturen inszenieren. Zugleich hat ihr künstlerisches Werk, gestützt durch umfangreiche Reisen durch viele afrikanische Länder, zur Sichtbarkeit bedrohter Schwarzer Kulturen und zu deren Erhalt beigetragen. Als Jüdin erlebte sie in Deutschland aber auch in Südafrika Ausgrenzung und Antisemitismus. » Die Wiederentdeckung dieser Künstlerin versteht sich als Weiterführung der kritischen Kontextualisierung des Expressionismus am Brücke-Museum«, erläutert Lisa Marei Schmidt, Direktorin des Museums und Kuratorin der Ausstellung.
Die erste Retrospektive in Deutschland organisierte 1996 die Kunsthalle Bielefeld. Damit wurden Sterns Arbeiten erstmals seit 1933 wieder hierzulande öffentlich gezeigt.
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