Hamburger Kunsthalle zeigt »Atmen«

Ein und aus

Weniges erscheint derart selbstverständlich und zugleich unentbehrlich: Des Ein- und Ausatmens ist sich der Großteil der Menschheit nur selten bewusst. Eine drohende Atemnot hingegen überbordet alles Erträgliche. Die Kunsthalle Hamburg ergründet mit ATMEN die künstlerischen Facetten dieses automatisierten Prozesses. Das Publikum erlebt das Atmen als Politikum, Bedrohung und Lebenselixier.

30. September 2022
Thomson & Craighead, Several Interruptions (Film-Still), 2009, Video (3 Minuten, 20 Sekunden)
Gepostet von taucher4444 auf youtube.com (2006)
Thomson & Craighead, Several Interruptions (Film-Still), 2009, Video (3 Minuten, 20 Sekunden).

Das Leben beginnt mit dem ersten Atemzug und hört mit dem letzten Auf. Es ist das Lebenselixier, das uns im Alltag oft als Selbstverständnis erscheint. Erst, wenn der Atemmechanismus behindert wird, drängt sich seine Bedeutung plötzlich auf. Das Atmen – ein Prozess, dem sich die Hamburger Kunsthalle ab dem 30. September zuwendet. Nach BESSER SCHEITERN (2013), WARTEN (2017) und TRAUERN (2020) reiht sie mit ATMEN eine weitere Ausstellung in ihre Serie ein. Sie beleuchtet den Vorgang passend zur Ausstellungsreihe darin aus einer gesellschaftlich relevanten wie künstlerischen Perspektive. Zu sehen gibt es die Schau ab dem 30. September.

Das Ausstellungshaus erinnert sowohl daran, wie die Kunst den »Odem« als göttlichen Einhauchung verstand, als auch an die jüngste Bedeutung der Atmung. Die Pandemie schafft Bewusstsein für Aerosole in der Luft und lässt den automatisierten Vorgang zur Gefahr werden, während die letzten Worte George Floyds »I can’t breathe« 2020 zum Synonym rassistischer und institutioneller Gewalt geworden sind. 

Unter diesen politischen Gesichtspunkten stellt die Kunsthalle 100 Werke von rund 45 künstlerischen Positionen aus 18 Ländern vor. Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie, Zeichnung, Performance, Video, Film und Sound Pieces laden die Besuchenden bis zum 15. Januar 2023 dazu ein, einen künstlerischen Umgang mit der Atmung von der Renaissance bis zur Gegenwart kennenzulernen. Ein Highlight der Schau: die ungewöhnlich große Ausstellungsfläche. Sie erstreckt sich laut Hamburger Kunsthalle über mehrere Gebäudeteile und lockt das Publikum mit einer einmaligen Lichtinstallation in den Außenbereich.Art.Salon

Jeppe Hein (*1974), INHALE HOLD EXHALE, 2016, Pulverbeschichtetes Aluminium, Leuchtstoffröhren, Spionspiegel, pulverbeschichteter Stahl, Transformatoren, Steuereinheit, 100 x 100 x 10 cm
Courtesy KÖNIG GALERIE, Berlin, 303 Gallery, New York und Galleri Nicolai Wallner, Kopenhagen, © Studio Jeppe Hein / Hendrik Hähner
Jeppe Hein (*1974), INHALE HOLD EXHALE, 2016, Pulverbeschichtetes Aluminium, Leuchtstoffröhren, Spionspiegel, pulverbeschichteter Stahl, Transformatoren, Steuereinheit, 100 x 100 x 10 cm.

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