Stockholm: Moderna Museet zeigt Anna Casparsson

Eine Pionierin der freien Textilkunst

Eine schwedische Kunstsensation der Nachkriegszeit, die schnell in Vergessenheit geriet: Das Moderna Museet in Stockholm zeigt die erste große Ausstellung zu Anna Casparsson seit über 60 Jahren. The Isle of Bliss eröffnet am 25. April.

23. April 2026
Anna Casparsson, The Stag/Hjorten, 1922
Photo: Viktor Fordell/Nationalmuseum
Anna Casparsson, The Stag/Hjorten, 1922. Nationalmuseum, Stockholm. © Anna Casparsson 2026

Anna Casparsson (1861-1961) bezeichnete sich selbst nie als Künstlerin. Sie war eine hervorragende Klavierspielerin und lernte früh, zu nähen. Sie nähte die Kleidungsstücke ihrer vier Kinder. Erst mit Anfang 60, nach dem Tod ihres Ehemannes, begann Casparsson mit freier künstlerischer Textilarbeit. Ihre ungewöhnlichen Materialzusammenstellungen – sie nähte etwa Perlen, Muscheln, Juwelen und Bruchstücke von Spiegeln mit ein – und narrativen Szenen brachen mit den Konventionen der Zeit und sorgten für Kritik. Erst rund 20 Jahre später, bei ihrer ersten großen Ausstellung in ihrer Heimat Saltsjöbaden im Jahr 1945, wandte sich das Blatt: Casparsson präsentierte rund 50 Arbeiten, die vor allem bei jüngeren Künstlerinnen und Künstlern Anklang fanden. Medial wurde die mittlerweile 83-jährige als Neuentdeckung gefeiert, das Schwedische Nationalmuseum kaufte eine ihrer Arbeiten an. Nun wird das opulente und detailverliebte Schaffen der Künstlerin wieder in einer Einzelausstellung gezeigt: The Isle of Bliss läuft vom 25. April bis zum 27. September im Moderna Museet Stockholm.

Anna Casparsson gestaltete prächtige Motive, die von klassischen Märchen, biblischen Geschichten und Musikstücken inspiriert waren. Landschaftsszenen wurden zu Textilgemälden und Paravents, freie Kompositionen verewigte sie auf Flügelbezügen, Taschen und Tischdecken. Im Jahr 1960 widmete ihr das Moderna Museet Stockholm, das erst zwei Jahre zuvor eröffnet worden war, ihr bis dahin größte Einzelausstellung – bis zum Jahr 2026 war es die letzte. Casparssons Haus in Saltsjöbaden nahe Stockholm war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Treffpunkt für schwedische Kulturschaffende, auch lange bevor sie selbst künstlerisch tätig wurde. Trotz ihrer zentralen Rolle in der Stockholmer Kulturlandschaft geriet sie nach ihrem Tod schnell in Vergessenheit. Vereinzelt waren ihre Arbeiten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Teil von Gruppenausstellungen.

Ab dem 24. Oktober 2026 ist die Ausstellung leicht verändert im Moderna Museet Malmö zu sehen.Art.Salon

Anna Casparsson, Dragons/Drakar, 1935
Photo: Albin Dahlström/Moderna Museet
Anna Casparsson, Dragons/Drakar, 1935. Private collection. © Anna Casparsson 2026

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