Berlinische Galerie zeigt Monira Al Qadiri und Marta Astfalck-Vietz

Inszenierte und kritische Blicke

Am 11. Juli eröffnet die Berlinische Galerie zwei unterschiedliche Ausstellungen: In Monira Al Qadiri: Hero setzt sich die Künstlerin mit den sozio-kulturellen Auswirkungen der Ölindustrie auseinander und in Inszeniertes Selbst. Marta Astfalck-Vietz sind experimentelle Werke einer Fotografin der 1920er zu sehen.

07. July 2025
Monira Al Qadiri, SS Murex (series) (2023)
Photo: © Markus Tretter
Monira Al Qadiri, SS Murex (series) (2023), Lightbox installation, 25 x 25 x 7cm

Mit zwei parallel eröffnenden Ausstellungen bietet die Berlinische Galerie ab dem 11. Juli Einblicke in sehenswerte künstlerische Positionen: Die kuwaitische Künstlerin Monira Al Qadiri (*1983), die in Berlin lebt, beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit den sozio-kulturellen Auswirkungen der Ölindustrie, ihrer Geschichte und ihrer Zukunft. Oftmals entwickelt sie ihre Arbeiten aus autobiografischen Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend und richtet einen kritischen Blick auf bestehende historische und politische Narrative, etwa die Etablierung von Erdöl als wichtigstem Brennstoff in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Für die Ausstellung entwickelt Al Qadiri eine ortsspezifische Installation, bestehend aus einem großformatigen Wandgemälde, Objekten und Sound, die sich mit den Schattenseiten der Ölgewinnung auseinandersetzt. Monira Al Qadiri: Hero ist über ein Jahr lang bis zum 17. August 2026 zu sehen.

In der zweiten Ausstellung stehen eigenwillige Fotografien der 1920er im Vordergrund: Marta Astfalck-Vietz (1901-1994) hinterfragt in ihren immer noch aktuellen Bildern weibliche Rollenbilder in der Gesellschaft. Die Fotografin stand oft selbst Model und komponierte komplexe Strukturen mit vielen Details und experimentellen Ansätzen wie Verzerrungen, Doppelbelichtungen und surrealen Schattenspielen. Rund 140 Arbeiten von Astfalck-Vietz sind der Ausstellung zu sehen, die Berlinische Galerie verwahrt den Großteil ihres künstlerischen Schaffens. Die meisten Arbeiten sind im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe auf Berlin zerstört worden. Ihre letzte Fotografie fertigte Astfalck-Vietz im Jahr 1945 an. Nach dem Krieg machte sie sich als Pflanzenmalerin, womit sie 1936 begonnen hatte, und Kunstlehrerin einen Namen; eine Dahlie und eine Orchidee wurden nach ihr benannt. Erst kurz vor ihrem Tod wurde sie als Fotografin wiederentdeckt. 1982 wurde sie für ihr sozialpädagogisches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Schau Inszeniertes Selbst. Marta Astfalck-Vietz endet am 13. Oktober.Art.Salon

Marta Astfalck-Vietz, Selbstmord in Spiritus, um 1927
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Marta Astfalck-Vietz, Selbstmord in Spiritus, um 1927

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