Die deutsche Künstlerin Katharina Grosse überzeugt in der Kunstwelt mittels ihrer innovativen kompressorbetriebenen Farbsprühtechnik. Erstmals wendete sie sie 1998 anlässlich der 11th Biennale of Sydney an. Der Einbezug des Ortes nimmt bei Grosse eine zentrale Rolle ein: Ihre haptischen in-situ-Gemälde und Installationen sind Teilstücke ihres künstlerischen Ausdrucks. Grosses großformatige, raumgreifende Installationen legen genauso wie ihr flächiger Farbauftrag den Fokus auf die Objekt-Raum-Beziehung. Gelegentlich spielt die gebürtige Freiburgerin mithilfe der gesprayten Farbe auch gezielt mit optischen Illusionen.
Jüngst war Grosses Kunst auf der Helsinki Biennale (12.6. – 26.9.2021) vertreten. Mit Shutter Splinter war dort ein von außen mit Farbe besprühtes, altes Schulgebäude, dessen Innenleben mit Actinobacteria kontaminiert ist und das seit den 1980er Jahren stillgelegt ist. Sie bezog bei der Installation auch die umliegende Vegetation sowie das Sperrholz, aus dem das Haus konstruiert ist, mit ein. Das Projekt geht grosse-typisch eine Symbiose mit seiner Umgebung ein: Während das Schulhaus nach der Ausstellung abgerissen wird, werden die verbleibenden Spuren des Gemäldes langsam verschwinden – spätestens dann, wenn die jahreszeitbedingte Witterung eintritt. Die Künstlerin inszeniert Vergänglichkeit neu und setzt das kulturelle Gedächtnis mit natürlichen Prozessen in einen Dialog. Die in Berlin lebende Künstlerin feiert am 2. Oktober ihren 60. Geburtstag.