Diese Landschafts-Ausstellung beginnt mit einem Selbstporträt – nicht, um zu zeigen, wer die Landschaftsbilder malte, sondern um auf dessen vielfältiges Schaffen hinzuweisen: Der österreichische Maler Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865) ist heute vor allem wegen seiner Landschaften bekannt, zu Lebzeiten wurde er aber für seine Genrebilder und, besonders in Adelskreisen, wegen seiner Porträts geschätzt. Waldmüller lebte in der Biedermeierzeit, eine vorrangig für Gebiete des heutigen Deutschland und Österreich prägende Epoche, lässt sich aber nicht als Biedermeier-Maler bezeichnen. »[…] sein Werk […] kann sowohl moralisierend als auch schonungslos ehrlich sein«, erläutert Sarah Herring, die die Ausstellung in der National Gallery gemeinsam mit Dr. Arnika Groenewald-Schmidt kuratierte. Waldmüller verschrieb sich der Wahrhaftigkeit der Natur, seine Landschaften sind von fotografischer Klarheit, naturgetreuen Lichtverhältnissen und intensiven Farben gekennzeichnet. Gemälden des Biedermeier ähneln sie nur auf den ersten Blick. In London ist ab dem 02. Juli die erste Schau des Malers im Vereinigten Königreich zu sehen: Waldmüller: Landscapes läuft bis zum 20. September. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Belvedere Museum Wien, das auch die meisten der ausgestellten Gemälde als Leihgaben zur Verfügung stellte.
Waldmüller erhielt in Wien eine klassische akademische Ausbildung. Die Landschaftsmalerei, die erst im Laufe des 19. Jahrhunderts im heutigen Deutschland und Österreich an Bedeutung gewann, brachte er sich selbst bei, indem er Kopien niederländischer Landschaften aus dem 17. Jahrhundert anfertigte, etwa von Jacob van Ruisdael und Meindert Hobbema. Einen besonderen Stellenwert in der aktuellen Ausstellung haben Waldmüllers Gemälde aus Sizilien, das er zwischen 1844 und 1846 jedes Jahr besuchte. Hier faszinierte ihn das außergewöhnliche Licht im Zusammenspiel mit der mediterranen Landschaft und den antiken Ruinen. Waldmüller propagierte das zu seiner Zeit noch recht unübliche Naturstudium im Freien, das er dem Kopieren Alter Meister vorzog. Er geriet dadurch in Konflikt mit der Akademie, die ihm schließlich sein Akademieatelier entzog und einige Jahre später von seinem Posten als ordentlicher Rat der Akademie suspendierte. Daraufhin prägten finanzielle Schwierigkeiten sein Leben, doch der große Anklang seiner Werke bei internationalen Ausstellungen unter anderem in London und Köln brachten ihm erfolgreiche letzte Lebensjahre.