Tracey Emin gilt als eine der wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation und auch als eine der radikalsten, die gängige Konventionen des Kunstbegriffs in Frage stellt. In ihrem vielfältigen Œuvre, das unter anderem Malerei, Videokunst, Textilkunst, Skulptur, Installation und Neon-Leuchtschrift umfasst, setzt sie sich, ausgehend von persönlichen Erlebnissen, immer wieder mit den Themen Trauma, Leid, Schmerz, Liebe und Misogynie auseinander. Die Direktheit, mit der sie diese Themen adressiert, sorgte regelmäßig für Aufsehen und heftige Diskussionen. Die Tate Modern widmet der Künstlerin nun ihre bisher größte Einzelausstellung: von Arbeiten aus ihrer ersten Einzelschau My Major Retrospective 1982-93 bei White Cube über weltberühmte Werke wie My Bed (1998), für das Emin für den Turner Prize nominiert war, bis zu unbekannteren Arbeiten, die noch nie Teil einer Ausstellung waren. Tracey Emin präsentiert vom 27. Februar bis zum 31. August über 90 Werke der Künstlerin in London.
Höhepunkt der Ausstellung ist Präsentation von Emins Malerei: In ihren großformatigen Gemälden ignoriert sie nicht den Schmerz und das Leid, konzentriert sich jedoch auf ihre feste Entschlossenheit, im Hier und Jetzt zu leben. Auch in neuesten Bronzeskulpturen verarbeitet sie jüngste Lebenserfahrungen wie ihre Blasenkrebserkrankung im Jahr 2020. In der Ausstellung der Tate ist zum ersten Mal eine Dokumentation zu sehen, die Einblicke in Emins Kampf mit der Krankheit und ihren Versuch der Akzeptanz ihres veränderten Körpers mit einem Stoma gibt.
2007 ernannte die Royal Academy of Arts in London Emin zum Mitglied, sie erhielt den Doktor der Philosophie von der London Metropolitan University und die Doktorwürde von der University of Kent. Im selben Jahr gestaltete sie den britischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. 2011 berief sie die Royal Academy of Arts zur Professorin für das Fach Zeichnen. Seit der Gründung 1768 ist sie erst die zweite weibliche Professorin.