Wie Brasilien sich von Europa löste: Mit ausgewählten Werken von zehn bedeutenden Kunstschaffenden der brasilianischen Moderne zeichnet die Ausstellung Brasil! Brasil! The Birth of Modernism die identitätsstiftende Entwicklung nach. Die Schau eröffnet am 28. Januar in der Royal Academy in London.
Vicente do Rego Monteiro, Archer, 1925. Oil on canvas, 108 x 137 cm
Seit den 1910ern nahmen brasilianische Kunstschaffende vermehrt Kunstbewegungen der europäischen Moderne in ihre Arbeit auf. Beispielhaft für diese Praxis steht Anita Malfatti, die von 1910 bis 1914 in Berlin lebte und 1917 ihre erste Einzelausstellung in São Paulo hatte. Ihr expressiver Ansatz spaltete das Publikum, doch in den folgenden Jahren verdeutlichte sich der Einfluss, den sie auf andere Kunstschaffende ausübte. Die 1920er gelten als erste Phase des Modernismo brasileiro. Auf die Adaption europäischer Kunstbewegung folgte die Ablösung mit dem Ziel eines neuen, brasilianischen Ausdrucks. Die brasilianische Moderne, deren Ende in den 1970ern gesehen wird, zeigt sich von enormer Bandbreite: Brasilien ist durch umfangreiche Einwanderungen eines der kulturell vielfältigsten Länder der Welt. Mit über 130 Kunstwerken von zehn ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern stellt die Royal Academy in London diese Komplexität vor. Brasil! Brasil! The Birth of Modernism läuft vom 28. Januar bis zum 21. April.
Neben Anita Malfatti sind Werke von Vicente do Rego Monteiro, Candido Portinari, Djanira da Motta e Silva, Flávio de Carvalho, Lasar Segall, Alfredo Volpi, Tarsila do Amaral, Geraldo de Barros und Rubem Valentim zu sehen. Von jedem Kunstschaffenden, den meisten wird ein eigener Raum gewidmet, finden sich mindestens zehn Arbeiten in der Ausstellung. Die Mehrheit der Exponate stammt brasilianischen öffentlichen Sammlungen sowie einigen selten ausgestellten brasilianischen Privatsammlungen. Die meisten gezeigten Kunstwerke waren noch nie zuvor im Vereinigten Königreich zu sehen.
Eine Sektion der Ausstellung widmet sich der Exhibition of Modern Brazilian Paintings, einer Schau, die 1944 in den Räumen der Royal Academy stattfand. Fast 170 Kunstwerke von 70 Kunstschaffenden wurden damals präsentiert, 23 von ihnen wurden anschließend an britische Museen gespendet. Die damalige Ausstellung wurde organisiert, um in Kriegszeiten Gelder zu gewinnen, in erster Linie für den Royal Air Force Benevolent Fund. Von den vor 80 Jahren ausgestellten Werken werden in der aktuellen Schau sieben erneut gezeigt, drei Arbeiten stammen von Roberto Burle Marx.
Im Rahmen der Reihe InterNationalgalerie lädt die Alte Nationalgalerie andere Institutionen in die eigenen Räumlichkeiten ein. Den Auftakt macht ab dem 18. Juni das Nationalmuseum in Warschau mit der Ausstellung Die Erfindung der Mythen.
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