Bereits im Februar verlieh der Rhein-Sieg-Kreis dem Fotokünstler Herbert Döring-Spengler den Rheinischen Kunstpreis, der alle zwei Jahre an bedeutende Personen der zeitgenössischen Kunst vergeben wird. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte im Winter allerdings weder eine physische Preisübergabe noch die Einbettung einer Ausstellung seiner Arbeiten stattfinden. Zunächst ehrte der Rhein-Sieg-Kreis den Künstler deshalb ersatzweise mit einem eigens gedrehten Film. Mit der Ausstellung »Egal, wie du es siehst, ich sehe es anders.« nach dem gleichnamigen Buch Döring-Spenglers erfolgt im LVR-Landesmuseum Bonn ab dem 28. Oktober 2021 nun die Form der Anerkennung, die es schon vor einem Dreivierteljahr hätte geben sollen.
Schaffensschwerpunkt von Döring-Spengler ist das Polaroid – er nutzt dieses als Ausgangsfläche und gestaltet es vielschichtig weiter. Dazu dringt er in die chemischen Prozesse bei der Entwicklung ein, abstrahiert und verfremdet das Medium Foto so stark, dass es teils als solches nicht mehr erkennbar ist. Die Resultate sind nicht zwingend gänzlich abstrakt, sondern bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen Abstraktion und expressiver Figuration. Ebenfalls im Zentrum des Hauptwerkes des gebürtigen Kölners stehen seine Diazetta – eine Eigenkreation, die sich aus Dia und Gazette zusammensetzt. Zustande kamen die Bildcollagen aus sich überlagernden Zeitungsausschnitten in den 1980er Jahren – sie reflektieren politische Ereignisse auf der einen Seite und fungieren als surreale Zufallsaufnahmen auf der anderen Seite.
Die Ausstellung kann bis zum 23. Januar 2022 besucht werden.