Berlin: Gabriele Stötzer im Gropius Bau

Selbstbildnisse als Form der Befreiung

Als erste ostdeutsche Künstlerin bekommt sie eine Einzelausstellung im Gropius Bau in Berlin: Die Schau Gabriele Stötzer: Dabei sein und nicht schweigen präsentiert ab dem 19. Juni rund 150 Arbeiten der vielseitigen und experimentierfreudigen Künstlerin, die 2026 den Goslarer Kaiserring erhält.

18. June 2026
Gabriele Stötzer, Lippen mit Draht, 1983
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Gabriele Stötzer, Lippen mit Draht, 1983, Courtesy: Gabriele Stötzer

Der Gropius Bau in Berlin zeigt die bisher größte institutionelle Einzelausstellung einer Künstlerin, deren Werk erst seit wenigen Jahren angemessen rezipiert wird: Seit über 50 Jahren setzt sich Gabriele Stötzer (*1953) in ihrem breit gefächerten Schaffen mit komplexen und bedeutenden Themen wie Gerechtigkeit und Selbstbestimmung auseinander. Prägen für ihre Arbeit sind unter anderem ihre Erfahrungen aus einer 12-monatigen Inhaftierung: Im Jahr 1976 wurde Stötzer wegen einer Unterschriftenaktion gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unter dem Vorwurf der »Staatsverleumdung« in der DDR verurteilt. Die Künstlerin arbeitete in den 1970ern und 1980ern unter der staatlichen Überwachung in selbstorganisierten Netzwerken und schuf ein vielschichtiges, experimentelles Œuvre, das auch Fotografie, Film, Performance, Keramik- und Textilkunst umfasst. Immer wieder stellt sie ihren eigenen Körper künstlerisch bearbeitet dar, der zu einer Metapher für Widerstand und Selbstbehauptung wird. Die aktuelle Ausstellung Gabriele Stötzer: Dabei sein und nicht schweigen bringt rund 150 ihrer Werke zusammen, die einen einzigartigen Überblick über ihr Schaffen bieten. Die Exponate der Künstlerin, die im Oktober 2026 den renommierten Goslarer Kaiserring erhält, sind vom 19. Juni bis zum 06. Dezember in Berlin zu sehen.

Nach ersten Texten, Malereien, Zeichnungen und Webarbeiten wandte sich Stötzer Anfang der 1980er der Fotografie zu. Vor der Kamera inszenierte sie sich selbst und andere Kreative und entwickelte dabei eine gemeinschaftliche Praxis, in der Vernetzung und Austausch zentral sind. 1984 gründete sie die in der DDR einzigartige Künstlerinnengruppe Erfurt, die nach der Wiedervereinigung den Namen Exterra XX trug. Das Leben selbst wurde in den Arbeiten der Künstlerinnen zum Thema der Kunst. In ihren Super-8-Filmen etwa mischte Stötzer Alltagsbeobachtungen mit traumartigen Sequenzen. Die Künstlerin ist auch als Schriftstellerin tätig. Im Jahr 2022 beispielsweise veröffentlichte sie ihr Buch Der lange Arm der Stasi über ihre Haft im Frauengefängnis Hoheneck und ihr künstlerisches Arbeiten in der DDR.

Vom 14. März bis 26. September 2027 wird die Ausstellung im Museum Abteiberg in Mönchengladbach präsentiert.Art.Salon

Gabriele Stötzer, Die Auslöschung eines Blicks – Ich trage meine Wunden heute offen, 1983
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Gabriele Stötzer, Die Auslöschung eines Blicks – Ich trage meine Wunden heute offen, 1983, Courtesy: Gabriele Stötzer, Foto: Heike Stephan

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Ennepetal: Einzelausstellung von Stefan Stichler

Gemälde und Skulpturen über gesellschaftliche Zustände: Stefan Stichler erschafft bedeutungsoffene Werke basierend auf alltäglichen Beobachtungen und eigenen Erfahrungen. In der Ausstellung Bullet The Blue zeigt er aktuelle, vom Zeitgeschehen geprägte Arbeiten. Die Vernissage beginnt am 21. Juni um 15.30 Uhr im Kunstraum EN in Ennepetal.

18. June 2026
Hilden: Ausstellung mit Gabriele Weide

In der Ausstellung Zwischentöne & Statements präsentiert das Haus Hildener Künstler Kunstwerke von drei Künstlerinnen über zentrale Themen unserer Zeit. Gabriele Weide aus dem Künstlerprogramm des Art.Salon zeigt Arbeiten über die Gefährdung des Lebensraumes Ozean. Die Vernissage findet am 20. Juni um 15 Uhr in Hilden nahe Düsseldorf statt.

17. June 2026