Zu einer Zeit, als das Kabuki-Theaterviertel im heutigen Tokio für die dortige Gesellschaft eine große Rolle spielte, gründete der japanische Holzschnittkünstler und Maler Katsukawa Shunshō (1726-1792) die Katsukawa-Schule. Prominente Künstler, darunter neben Shunshō selbst auch Katsukawa Shunkō (1743-1812) und Shun'ei (1762-1819), stellten in vielen Drucken die Dramen des Kabuki-Theaters dar und bildeten die im 18. Jahrhundert berühmten Kabuki-Schauspieler ab. Die Ausstellung The Golden Age of Kabuki Prints im Art Institute Chicago widmet sich diesen Drucken und zeigt Werke von allen drei Künstlern, welche aus der Sammlung der Katsukawa-Schule des Art Institutes stammen, die mehr als 700 Drucke umfasst. Da die Galerie des Instituts vom 11.-15. April 2022 geschlossen ist, wird die Werkschau in zwei Zyklen gezeigt: Der erste beginnt am 15. Januar und endet am 10. April, der zweite beginnt am 16. April und endet am 26. Juni.
Das Kabuki-Theaterviertel im Edo des 18. Jahrhunderts (dem heutigen Tokio) galt seiner Zeit als ein Mittelpunkt des städtischen Lebens. Die Menschen konnten dem kontrollierten Alltag entfliehen und sich Dramen mit Themen wie Mord, Rache, Schande, Eifersucht oder Erlösung ansehen, die oftmals auf historischen Ereignissen oder Mythen beruhten. Neben der Dramatik war das Kabuki-Theater vor allem durch die teils übertriebenen und stark stilisierten Körperhaltungen, Bewegungen, Handgesten und Gesichtsausdrücke gekennzeichnet. Insbesondere die »mie«, eine emphatische Pose, die Schauspieler in einem wichtigen Moment der Handlung einnahmen, spielte eine wesentliche Rolle. Oftmals aus einem finsteren Blick oder einer dramatischen Verzerrung des Gesichts mit teils schielenden Augen bestehend, wurde sie für gewöhnlich von einer spezifischen Körperhaltung sowie besonderen Positionen von Hand- und Gliedmaßen unterstützt und galt daher als beliebtes Motiv für Drucke.