Die Enge der Landschaft
Wie die Natur sich anfühlt und riecht: die kanadische Malerin Emily Carr spürte eine tiefe Verbundenheit zur Natur. Die Vancouver Art Gallery zeigt in Navigating an Impenetrable Landscape ihre Gemälde von dicht bewachsenen Wäldern – und umfassendem Kahlschlag. Die Schau eröffnet am 25. Januar.
Außerordentlich hohe Baumstämme und ein Dickicht aus Blättern kennzeichnen viele Gemälde der kanadischen Malerin Emily Carr (1871-1945). Die Naturliebhaberin, die den Großteil ihres Lebens im Westen Kanadas verbrachte, war eine gründliche Beobachterin ihrer Umgebung, konzentrierte sich atmosphärisch jedoch auf die einengende Wirkung des Waldes statt der Freiheit weitläufiger Waldlandschaften. Einengend meinte sie im positiven Sinn, eher schützend, ein ungebundenes Leben ermöglichend. Im Kontrast zu ihren dichten Waldbildern stehen wenige weite Landschaften, die sie in den späteren Jahren ihres Schaffens anfertigte: vom Kahlschlag verwundete Wälder, die den Folgen dieser Praxis trotzen müssen. Die Ausstellung Emily Carr: Navigating an Impenetrable Landscape der Vancouver Art Gallery eröffnet am 25. Januar 2025 und läuft bis zum 04. Januar 2026.
Neben ihren Landschaften ist Carr vor allem für Repräsentationen verschiedener indigener Kulturen, hauptsächlich aus dem Westen Kanadas, bekannt. Ihre Haltung war unüblich für ihre Zeit: Sie legte Wert auf genaue Darstellung unterschiedlicher kultureller Praktiken der einzelnen Gruppen anstatt einer stereotypen Abbildung »der Indianer«. Ihre Gemälde fanden bei Zeitgenossen wenig Anklang, die Künstlerin bestritt ihren Lebensunterhalt viele Jahre mit Töpferei und Hundezucht. Erst nach einer Kunstausstellung 1927 in der National Gallery in Ottawa, wo 31 ihrer Gemälde sowie einige Töpferwaren und Teppiche gezeigt wurden, setzte ein langsames Umdenken sowie eine künstlerische Würdigung von Carrs Gemälden ein. Heute gilt Carr, die auch als Schriftstellerin tätig war, als eine der bedeutendsten Künstlerinnen Kanadas.