Wie gelangte eine Zeichnung aus Dresden, die nach dem Zweiten Weltkrieg als verloren galt, ins Getty Research Institute in Los Angeles? Das Blatt Standing Male Nude From Rear and Re-Study (1892) von Otto Greiner (1869-1916) wurde zwei Jahre nach seinem Entstehen vom Kupferstich-Kabinett in Dresden erworben. Nach umfänglicher Recherche seiner Reise nach Los Angeles und dem unerwarteten Auftauchen wurde es restituiert. In der Ausstellung Lost. Found. Returned. erläutert das Getty Center die Geschichte der Zeichnung und gibt Einblicke in die Methoden zum Aufspüren verloren geglaubter Kunstwerke. Die Schau läuft noch bis zum 18. Oktober.
Otto Greiner gilt als führende Stimme der deutschen Symbolisten. Der gelernte Grafiker experimentierte als einer der ersten mit künstlerischem Ausdruck der Lithografie, die bis dahin vor allem im Werbeumfeld verwendet wurde. Später wandte er sich der Malerei zu. Die Aktfigur, zumeist gebettet in italienische Landschaften, bildet ein zentrales Motiv seiner Werke, etwa im großformatigen Ölgemälde Herkules bei Omphale (1905), das Greiner während seiner Jahre in Rom (1898-1915) anfertigte. Sein Werk ist geprägt von fast fotorealistischer Malerei, komplexen Körperdrehungen und ungewöhnlichen Kompositionen der Figuren zueinander und im Raum. In der deutschen Künstlerkolonie in Rom war Greiner einer der angesehensten Vertreter. Fast alle seine Gemälde befinden sich heute in Privatbesitz.