Zwei Ausstellungen in der Kunsthalle Augsburg im Glaspalast

Farbe, Struktur, Wahrnehmung: Vier abstrakte Positionen

Die Kunsthalle Augsburg im Glaspalast eröffnet zwei Ausstellungen parallel: Manuel Frattini: Die Landschaft der Malerei und Shift of Vision. Neue Wege der Abstraktion mit Jutta Haeckel, Peter Krauskopf und Moritz Neuhoff. Alle vier Kunstschaffenden sind bei den zeitgleich stattfindenden Eröffnungen am 17. April um 18 Uhr anwesend.

17. April 2026

Der Glaspalast in Augsburg ist ein ehemaliges Industriegebäude und sorgt mit seiner lichtdurchfluteten Architektur für eine einzigartige Ausstellungsatmosphäre. Hier werden in zwei Hallen moderne und zeitgenössische Kunstwerke auf insgesamt 2.700 m² gezeigt. Am 17. April ist der Glaspalast Schauplatz zweier paralleler Vernissagen: Um 18 Uhr eröffnen Manuel Frattini: Die Landschaft der Malerei und Shift of Vision. Neue Wege der Abstraktion, die als Ausstellungspaar als auch in sich selbst konzeptuell spannende Dialoge anstoßen. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sind bei den Eröffnungen vor Ort. Beide Schauen sind anschließend bis zum 11. Oktober zu sehen.

Der in Freiburg lebende Künstler Manuel Frattini (*1968) präsentiert Gemälde und Zeichnungen, mit denen er zur bewussten sinnlichen Erfahrung von Farbe und gestischem Materialauftrag einlädt. Die Werke stellen abstrahierte Erinnerungen dar, durch die Reduktion legt Frattini den Fokus auf ein neues, aufmerksames und stilles Erleben unserer Umwelt – eine Fähigkeit, die angesichts der digitalen Bilderflut verloren zu gehen droht. Seine Arbeiten entstehen durch Auftrag vieler Farbschichten und wecken durch Fragmente zahlreiche Assoziationen. Frattini verschleiert nichts, die Stofflichkeit des Materials und die Spuren des Farbauftrags evozieren eine Ehrlichkeit, die die Distanz von Betrachtenden zum Bild überwindet und es erleichtert, sich auf die neuen Seh-Erfahrungen einzulassen. Die Ausstellung wurde von Wolfgang Reichert in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert.

Manuel Frattini, Ohne Titel, 2021
© VG Bildkunst, Bonn 2026
Manuel Frattini, Ohne Titel, 2021, Öl auf Aluminium

Die zweite Ausstellung Shift of Vision. Neue Wege der Abstraktion bringt Arbeiten von Jutta Haeckel, Peter Krauskopf und Moritz Neuhoff zusammen und untersucht die Vielfalt und die Bedeutung abstrakter Malerei im von digitalen Ästhetiken geprägten 21. Jahrhundert. Jutta Haeckel (*1972) übersetzt digitale Bilder wie Satellitenaufnahmen oder von Architekturfragmenten in abstrakte Bildräume, in denen Fläche und Tiefe miteinander verschwimmen. Bereits vor Auftrag ihrer teils pastosen Farbschichten bearbeitet sie die Leinwand: Sie zieht einzelne Fäden aus dem Stoff und macht ihn stellenweise durchsichtig. Damit reflektiert Haeckels Werk die Durchlässigkeit zwischen realer Welt und Bildraum, Ausdrucksmedium und Materialität.

Andere Wege gehen Peter Krauskopf (*1966) und Moritz Neuhoff (*1987). Krauskopfs Schaffen steht für gestische Reduktion und für ein bewusstes Spiel mit Schichtung und Abtragung. Farbintensive Hintergründe setzt er kontrollierter Zersetzung aus, es entsteht ein Dialog von Oberfläche und Tiefenraum, der vom Zufall mitgestaltet wurde. Krauskopfs Werke sind Zeugen des zeitlichen Ablaufs ihrer eigenen Entstehung. Neuhoffs Gemälde gehen von digitalen Bildkulturen aus: Sie wirken wie digital manipulierte Bilder oder Glitches, erweisen sich jedoch als analog entstandene Werke, die bei aller Kühle eine subtile Sinnlichkeit offenbaren. Der Künstler führt uns vor Augen, wie unsere Wahrnehmung – oft unbemerkt oder unreflektiert – zunehmend von Bildschirmen und computerbasiertem Design beeinflusst ist. Gemeinsam ist allen genannten Kunstschaffenden die bewusste, entschleunigte Bildbetrachtung angesichts einer nie dagewesenen technischen Bildrevolution.

Die Bilder wurden am 20. April ergänzt.Art.Salon

Peter Krauskopf, L. ,B 120924, 2024
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Peter Krauskopf, L. ,B 120924, 2024, Öl auf Leinen, 240 x 160 cm

Dive deeper into the art world

Hamburg: 9. Triennale der Photographie

Mit Arbeiten von insgesamt 279 internationalen Kunstschaffenden präsentiert die 9. Triennale der Photographie Hamburg die Vielfalt des Mediums. Zum Thema Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other werden vom 04. bis 06. Juni elf Ausstellungen nacheinander eröffnet.

03. June 2026
Brandenburg an der Havel, Kunsthalle Brennabor

25 Künstlerinnen des Netzwerks Frauenmuseum Berlin präsentieren in der Ausstellung Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss Werke aus Malerei, Grafik, Fotografie, Installation und Skulptur. Aus dem Künstlerprogramm des Art.Salon nehmen fünf Künstlerinnen teil: Ulrike Gerst, Uschi Niehaus Indenbirken, Annette Selle, Beate Selzer und Regina Weiss. Die Ausstellung ist bis zum 05. Juli in der Kunsthalle Brennabor in Brandenburg an der Havel zu sehen.

01. June 2026