Tunesien und Südafrika im Fokus zweier Ausstellungen

Gesellschaftskritische Kunst im macLyon

Am 11. Februar eröffnen im macLyon parallel zwei Ausstellungen, die gleich zwei Gesellschaften kritisch beleuchten: In Until My Veins Collapse (States of Emergency) untersucht Thameur Mejri die ungleiche Machtverteilung in Tunesien, während Mary Sibande in in The Red Ventriloquist die heute noch unübersehbaren Folgen der Apartheid in Südafrika offenlegt.

11. February 2022
Mary Sibande, A Terrible Beauty Is Born, 2013
Courtesy de l’artiste et SMAC Gallery, Le Cap/Johannesburg
Mary Sibande, A Terrible Beauty Is Born, 2013, Impression numérique sur papier Archival digital print 110 x 320 cm

Ein bereits bekanntes Gesicht und ein Erstaussteller präsentieren im macLyon parallel in zwei Ausstellungen ihre Kunstwerke: Am 11. Februar 2022 beginnen Until My Veins Collapse (States of Emergency) vom Tunesier Thameur Mejri und The Red Ventriloquist von Mary Sibande, die bereits 2013 an der Biennale für zeitgenössische Kunst im macLyon zu sehen war. Thameur Mejris Werke werden zum ersten Mal in Frankreich ausgestellt. Beide Einzelschauen enden am 10. Juli.

Seit der Revolution in Tunesien 2010/2011 verlassen immer mehr junge Menschen das Land. Die Regierung bekommt chaotische Zustände in der Verwaltung nicht in den Griff, Demokratie scheint nur auf dem Papier zu existieren. Ungleiche Machtverteilungen spalten die tunesische Gesellschaft. Der 1982 in Tunis geborene Mejri, der am Institut des Beaux-Arts in Tunis unterrichtet, thematisiert in seinen Gemälden und Videoarbeiten die Gefahren, die dem Individuum in einer instabilen Demokratie drohen.

Auch die südafrikanische Künstlerin Mary Sibande (*1982) spricht in großformatigen Skulpturen und Installationen die gesellschaftliche Spaltung an: Zwar ist die Apartheid in Südafrika offiziell beendet, doch ist in den letzten Jahrzehnten kein wirklicher Wandel zu erkennen. Die wirtschaftliche Kraft liegt weiterhin bei der weißen Minderheit, während die Frustration über die Ungerechtigkeit in der Schwarzen Mehrheit sich häufig in gewaltvollen Auseinandersetzungen ausdrückt. Sibande kanalisiert ihren eigenen Frust in den Kunstwerken und transportiert so die Spannungen ihrer Heimat. 2011 vertrat Sibande Südafrika auf der Biennale Venedig.Art.Salon

Thameur Mejri, The Walking Target, 2020
Courtesy of the artist and Selma Feriani Gallery, Tunis/London
Thameur Mejri, The Walking Target, 2020, Acrylic, charcoal and pastel on canvas 180 × 150 cm

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