Monica-Bonvicini-Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie

»I do You« entlarvt Museum

Monica Bonvicini beschäftigte sich schon vor über zwanzig Jahren mit der Architektur der Neuen Nationalgalerie in Berlin – allerdings aus einer gesellschaftlichen Sicht. Heute entlarvt und demaskiert sie die festgeschriebenen Geschlechterverhältnisse des Gebäudes. Der besondere Reiz: Bonvicinis Werke sollen die Raumwahrnehmung verändern. Zu sehen gibt es die Arbeiten ab dem 25. November in der Ausstellung I do You.

25. November 2022
Monica Bonvicini, Never Again, 2005, Galvanized steel pipes, black leather, black leather men\'s belts, galvanized chains, clamps
Courtesy the artist. © Monica Bonvicini and VG-Bildkunst, Bonn / Photo: Rikke Luna
Monica Bonvicini, Never Again, 2005, Galvanized steel pipes, black leather, black leather men's belts, galvanized chains, clamps, Approx. 350 x 1600 x 1100 cm

Mit I do You ehrt die Neue Nationalgalerie Monica Bonvicini ab dem 25. November als eine der wichtigsten und einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart – nicht nur für Berlin. Durchaus könnte man die Ausstellung als einmalig bezeichnen: Besuchende können sich dort ortsgebundene architektonische Installationen, aber auch skulpturale Objekte, performative und klangliche Arbeiten ansehen. Die Zusammenstellung arbeitet sich in die Architektur des Museums vor, bezieht alle Sinne mit ein und evoziert eine neue Raumwahrnehmung während des Ausstellungsbesuchs. Die Ankündigung von direkter körperlicher Interaktion lockt Interessierte so in die obere Halle, in der die Einzelausstellung bis zum 7. Mai 2023 stattfindet. 

Bonvivini knüpfte schon vor über zwanzig Jahren eine enge Bande zu Berlin. Damals trat sie mit ihrer Skulptur 2 Tonnen Alte Nationalgalerie (1998) an die immense bauliche Verwandlung des Stadtbildes heran. In der aktuellen Ausstellung bezieht sie sich erneut auf das Gebäude der Neuen Nationalgalerie in Berlin Mitte. Sie bindet ihre Architektur auf eine ungewöhnliche Weise ein, indem sie die dem Museum festgeschriebenen Geschlechterverhältnisse ironisch und spielerisch entlarvt – sie demaskiert und destabilisiert die dem Gebäude innewohnende Semantik. Die Künstlerin holt »die verborgenen Mechanismen der westlichen Moderne, ihre sexuellen Aufladungen sowie die damit einhergehenden Überhöhungen und Mythisierungen« ans Tageslicht und ersetzt damit Mies van der Rohes Architektur »durch einen radikalen feministischen Vandalismus.«Art.Salon

Monica Bonvicini, „2 Tonnen Alte Nationalgalerie“, 1998, Bauschutt der Fassade der Alten Nationalgalerie Berlin; C-print
Courtesy the artist © Monica Bonvicini und VG-Bildkunst, Bonn /Foto: Stefan Altenburger
Monica Bonvicini, "2 Tonnen Alte Nationalgalerie", 1998, rubble of the facade of the Alte Nationalgalerie Berlin; C-print,
Monica Bonvicini, Wallfuckin’, 1995/96, 48 min, b/w video, monitor, wood panels, drywall panels, aluminum studs, bricks, plaster, white paint, door, 250 x 310 x 330 cm,
Courtesy the artist. © Monica Bonvicini and VG-Bildkunst, Bonn / Photo: Jan Ralske
Monica Bonvicini, Wallfuckin’, 1995/96, 48 min, b/w video, monitor, wood panels, drywall panels, aluminum studs, bricks, plaster, white paint, door, 250 x 310 x 330 cm

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