Die nigerianische Filmindustrie, auch unter dem Namen Nollywood bekannt, produziert pro Jahr zwischen 400 und 2.000 Filme, weshalb Nigeria heute als weltweit zweitgrößte Filmnation gilt – nach Indien und noch vor den USA. Die 3-Milliarden-Dollar-Industrie ist mit versierten Stars, Regisseurinnen und Regisseuren sowie Produzentinnen und Produzenten gespickt. Im Oktober 2014 reiste der nigerianisch-US-amerikanische Künstler Iké Udé (*1964) in seine Geburtsstadt Lagos, um eben diese Nollywood-Prominenz zu fotografieren. Die Ausstellung Iké Udé: Nollywood Portraits im National Museum of African Art in Washington, D. C. zeigt Udés Aufnahmen erstmalig zusammen mit seinen Fotografien von Kleidungsstücken und anderen Requisiten, die bei der Entstehung der Filme verwendet wurden. Jedes Porträt vermittelt eine radikale Schönheit, indem es die Vorstellungen afrikanischer Identität rekonstruiert und neu definiert. So setzt der Künstler ein glamouröses, kühnes Statement zur afrikanischen Identität in einer Zeit, in der die Überreste des Kolonialismus und der weit verbreitete Rassismus das Leben Schwarzer Menschen weiterhin täglich bedrohen. Die Ausstellung beginnt am 5. Februar, ihre Dauer steht noch aus.
Der nigerianisch-US-amerikanische Fotograf, Performance-Künstler, Autor und Verleger Iké Udé wurde 1964 in Lagos, Nigeria, geboren. Zu Beginn seiner Karriere in den späten 1980ern befasste er sich mit Abstrakter Malerei und Zeichnungen, in den 1990ern wurde die Fotografie zu seinem wichtigsten Medium. Heute ist Udé vor allem für seine konzeptionellen fotografischen Porträts bekannt. In ihnen befasst er sich vornehmlich mit Fragen der Repräsentation und der sexuellen, geschlechtlichen, kulturellen und stilistischen Identität.