Wien, Albertina Modern

Pose und Sprung: eine Geschichte der Tanzfotografie

Wien tanzt: Die ALBERTINA MODERN zeigt erstmals eine große Ausstellung zum Thema Tanzfotografie. Abgebildet wird die Zeit von den 1860ern bis zu den 1930ern, Grundlage der Schau ist die hauseigene Sammlung. Tanzbild eröffnet am 03. März in Wien.

02. March 2026
Rudolf Jobst, Grete, Elsa und Berta Wiesenthal im Lanner-Schubert-Walzer, 1908
ALBERTINA, Wien. Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft
Rudolf Jobst, Grete, Elsa und Berta Wiesenthal im Lanner-Schubert-Walzer, 1908

Ein historischer Überblick zur Tanzfotografie wirft Blicke auf die Entwicklung des Tanzes, aber zugleich auch auf die Entwicklung der Fotografie: Die Fotografinnen und Fotografen nutzten stets die neuesten technischen Möglichkeiten und die jeweils favorisierten und neuartigen stilistischen Tendenzen, um den Tanz in Ausdruck, Rhythmus und Bewegung möglichst lebendig in starre Bilder zu überführen. Die ALBERTINA MODERN widmet sich erstmals, basierend auf der umfassenden Sammlung des Hauses, dem Thema Tanzfotografie: Das Spektrum reicht von Ballettporträts der 1860er-Jahre über Momentaufnahmen des freien Tanzes um 1900 bis zu avantgardistischen Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre, in denen besonders im deutschsprachigen Raum der rhythmisch-expressive Ausdruckstanz seine Glanzzeit erlebte. Der Schwerpunkt liegt auf Wien, wo nach 1900 eine freie Szene den Tanz als Kunstform neu auffasste. In der Ausstellung Tanzbild sind unter anderem Werke von Fred Boissonnas, Rudolf Jobst, Carl Mahlknecht, Charlotte Rudolph und Anton Josef Trčka zu sehen. Die Schau läuft vom 03. März bis zum 07. Juni in Wien.

Als eine der einflussreichsten Fotografinnen ihres Fachs gilt Charlotte Rudolph (1896-1983), die ab 1924 in Dresden ein Fotostudio mit Fokus auf Porträt- und Tanzfotografie betrieb. Rudolph gelang es, die Tänzerinnen nicht in Pose, sondern in Bewegung, während sie vom Prozess des Fotografierens unbeeinflusst, den Tanz aufführten. So entstanden zahlreiche spektakuläre Bilder von Tänzerinnen im Sprung, für die Rudolph international bekannt wurde. In der Zeitschrift Schrifttanz veröffentlichte sie im Jahr 1929 einen Artikel zur Tanzfotografie. Hier beschrieb Rudolph, dass ein solches Bild die charakteristischen Bewegungen einer Tänzerin wiedergeben soll und dass diese vor allem in den sogenannten Übergangsmomenten, die sie von den Hauptmomenten – den großen Posen, die Tänzerinnen bisher für Tanzfotografien nachstellten – unterschied, zu finden seien. Weiterhin muss eine Tanzfotografie den Tanz und die Bewegung in ihrer Wirkung im Raum und auch das Material des Kostüms wiedergeben. » Für mich persönlich ist es außerordentlich interessant, durch Gegenüberstellung meines seit Jahren angesammelten Materials Einblick in die Entwicklung des Tanzes, nicht nur bei einzelnen Tänzern, sondern auch bei ganzen Schulen zu gewinnen. Ein Überblick in diesem Maße dürfte bei Stellungsaufnahmen kaum möglich gewesen sein «, schrieb Rudolph abschließend.Art.Salon

Charlotte Rudolph, Die Tänzerin Gret Palucca, 1924
ALBERTINA, Wien – Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft © Bildrecht, Wien 2026
Charlotte Rudolph, Die Tänzerin Gret Palucca, 1924, 23,7 x 17,8 cm, Silbergelatinepapier

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