National Museum of Scotland: »Rising Tide: Art and Environment in Oceania«

Dystopie und Chance – eine Ausstellung zur Klimakrise

Ozeanien, also Australien und die pazifischen Inseln, sind schon heute deutlich von der Klimakrise betroffen. Plastikmüll häuft sich in den Weltmeeren, der Meeresspiegel steigt. Mit zeitgenössischen Positionen und historischen Artefakten richtet das National Museum of Scotland in Edinburgh ab dem 12. August sein Brennglas auf die bedrohliche Situation der Staaten – um Hoffnung zu säen und zum Handeln zu motivieren. 

12. August 2023
Raise A Paddle Fenton Lutunatabua
National Museum of Scotland
Raise A Paddle, Fenton Lutunatabua / 350

Das National Museum of Scotland in Edinburgh widmet sich ab dem 12. August den Auswirkungen der Klimakrise auf Australien und die pazifischen Inseln. Dabei richtet es sein Brennglas auf Ozeanien, weil der Meeresspiegel dort bereits spürbar steigt und die Ozeane zusehends von Plastik durchwachsen sind. In Rising Tide: Art and Environment in Oceania gehen zeitgenössische australische und pazifische Künstlerinnen und Künstler der schädlichen Beziehung zwischen der Menschheit und ihrer Umwelt nach. Sie reagieren insbesondere auf die beiden »Sorgenkinder« Klimawandel und Plastikmüll. Der Fischermeister Anthony C. Guerrero sammelt zum Beispiel Plastikbänder und -reste, die das Meer an seinen Strand in Guam spült, und flechtet daraus Körbe mithilfe traditioneller Techniken.

Die neueste Version der Installation Bottled Ocean 2123 von George Nuku fingiert den Zustand der Ozeane in 100 Jahren – Einwegplastikflaschen pflastern die Unterwasserwelt in seinem dystopischen Ausblick. Er richtet den Fokus auf die Bedeutung von Einwegplastik für den Menschen, der ob des Wissens über den Schaden, den es anrichtet, nicht davon abrückt.

Laura Marsh, conservation intern, with glass spear points Kimberley, Western Australia (late 19th to early 20th century)
© Duncan McGlynn
Laura Marsh, Praktikantin im Naturschutz, mit Te Tai (Tanzkopfschmuck) von Kaetaeta Watson und Louisa Humphry, recycelte Plastikstrohhalme (2022)

Rising Tide will große Kreise des Nachdenkens beim Publikum ziehen. Mit der brenzligen Situation Ozeaniens will sie einerseits den Handlungsbedarf forcieren, andererseits aber auch die Stärke und Widerstandsfähigkeit der vielfältigen Gemeinschaften aufzeigen. Gleichzeitig strebt die Ausstellung an, »ein Gefühl des Optimismus für die Zukunft« zu vermitteln, wie die Kuratorin Alison Clark beschwichtigt. 

Laura Marsh, conservation intern with Te Tai (dance headdresses) by Kaetaeta Watson and Louisa Humphry, recycled plastic straws (2022)
© Duncan McGlynn
Laura Marsh, Konservierungspraktikantin, mit Glasspeerspitzen Kimberley, Westaustralien (Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert)

Parallel zu den zeitgenössischen Positionen stellt das National Museum auch historische Objekte aus seiner Sammlung aus: Speerspitzen aus der Kimberley-Region in Westaustralien, die Aborigine-Männern aus weggeworfenen Glasflaschen hergestellt haben, zum Beispiel. Die Speerspitze zieht sich laut Museum wie ein roter Faden durch die Ausstellung und dient so als Symbol für die Schöpfungskraft der indigenen Bevölkerung Ozeaniens. Rising Tide: Art and Environment in Oceania findet im Rahmen des Edinburgh Art Festival statt, das vom 11. bis zum 27. August 2023 läuft. Die Ausstellung selbst endet allerdings erst am 14. April im nächsten Jahr. Art.Salon

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