Getty LA: (Re)Inventing the Américas: Construct. Erase. Repeat.

Entgegen einer europäischen Mär

Das Getty Center räumt ab dem 23. August mit der europäischen Sicht auf die Geschichte des amerikanischen Doppelkontinents auf und gibt stattdessen anderen Perspektiven Raum. (Re)Inventing the Américas: Repeat. Erase, Construct stellt auch die eigene Sammlung in Frage.

23. August 2022
The Celebration of the Lizard, 2022, Denilson Baniwa (Amazonian and Brazilian, b. 1984), Digital intervention based on “Columnam à Praefecto Prima, Navigatione Locatam Venerantur Floridenses”, from Jacques Le Moyne de Morgues (French, ca. 1533–before 1588), Brevis Narratio Eorum Quae in Florida Americæ Provincia Gallis Acciderunt (Frankfurt, 1591), pl. 8
Getty Research Institute, 87-B24110, Courtesy the artist © Denilson Baniwa
The Celebration of the Lizard, 2022, Denilson Baniwa (Amazonas-Bewohner und Brasilianer, geb. 1984), Digitale Intervention nach »Columnam à Praefecto Prima, Navigatione Locatam Venerantur Floridenses«, aus Jacques Le Moyne de Morgues (Franzose, ca. 1533– vor 1588), Brevis Narratio Eorum Quae in Florida Americæ Provincia Gallis Acciderunt (Frankfurt, 1591), Taf. 8

Das Getty Center in L.A. eröffnet am 23. August mit (Re)Inventing the Américas: Repeat. Erase, Construct eine Ausstellung, die die europäische Sicht der Geschichte des amerikanischen Doppelkontinents von Grund auf reinszenieren will. Bis zum 8. Januar 2023 erforscht sie die Entstehung von Mythologien, die während der Eroberung der amerikanischen Kontinente aufkamen, auf radikale Weise und enthüllt die Macht, die die Legenden und die »paradiesischen Konzepte« bei der Definition der beiden »Amerikas« ausgeübt haben. 

Die gezeigten Stiche, Radierungen, Lithografien und Holzschnitte hinterfragen auch die Getty-eigenen Sammlungen aus der Kolonialzeit und dem 19. Jahrhundert. »Sie nehmen die europäischen Darstellungen der amerikanischen Kontinente unter die Lupe«, so Mary Miller, Direktorin des Getty Research Institute. »Sie [die Ausstellung] zeigt, dass die Amerikas unter Verwendung europäischer Konventionen und Vorstellungen neu erfunden wurden.«

Um dieses Mal ein Bild zu entwerfen, das nicht nur die Wahrnehmung Amerikas aus der europäischen Perspektive illustriert, stellt diese Ausstellung den zeitgenössischen brasilianischen, indigenen Künstler Denilson Baniwa vor: »Unsere Sammlungen veranschaulichen die Konstruktion eines Bildes von Amerika, das auf der europäischen Perspektive beruht«, sagt Idurre Alonso, Kurator am Getty Research Institute. »Daher war es mir wichtig, diese europäische Sichtweise zu analysieren und durch eine vielschichtige Präsentation der Ausstellungsobjekte zu kontern. Zu diesem Zweck habe ich mit Denilson Baniwa und unserer lokalen lateinamerikanischen und Latinx-Community zusammengearbeitet. Ihre Stimmen wurden Teil der Erzählung der Ausstellung und hinterfragten das Fortbestehen bestimmter Vorstellungen.«

Baniwas urbane Interventionen repräsentieren die indigene Bevölkerung, untersuchen die koloniale Vergangenheit Amerikas und treten den stereotypen Darstellungen ihrer Kultur entgegen. Seine Arbeit bereichert die Ausstellung mit unerschrockenen Grafiken und Zeichnungen. 

Die Ausstellung ist in fünf Themenbereiche gegliedert: die allegorische Konstruktion Amerikas, den natürlichen Reichtum Amerikas, die Konstruktion von Archetypen, die politischen Bilder der Eroberung und das Werk europäischer Reisender.Art.Salon

Chimborazo Seen from the Plain of Tapia, Louis Bouquet (French, b. 1765–1814) and Jean Thomas Thibault, (French, 1757–1826), Engraving in Alexander von Humboldt, Vues des Cordillères, et monumens des peuples indigènes de l’Amérique (Paris, 1810), between pp. 200 and 201
Getty Research Institute, Los Angeles (85-B1535)
Chimborazo von der Ebene von Tapia aus gesehen, Louis Bouquet (Franzose, geb. 1765-1814) und Jean Thomas Thibault, (Franzose, 1757-1826), Kupferstich in Alexander von Humboldt, Vues des Cordillères, et monumens des peuples indigènes de l'Amérique (Paris, 1810), zwischen S. 200 und 201

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