Nach dem Ersten Weltkrieg folgte 1923 das Chaosjahr, das von einer Hyperinflation geprägt war. Ein-Mark-Scheine wurden beispielsweise zum Tapezieren benutzt, da sie billiger waren als Tapete. Eine Währungsreform brachte vorübergehende Stabilität, doch hohe Arbeitslosigkeit blieb. Die Zeit der Weimarer Republik war von extremen Gegensätzen, revolutionären Ideen, voranschreitender Emanzipation der Frauen und weiteren Umbrüchen wie in der Mode geprägt. Nach dem kriegsbedingten Tanzverbot florierten die Tanzlokale. Kunst und Kultur erlebten eine Blütezeit erlebten, in der radikal Grenzen gesprengt wurden. Doch die gesellschaftliche Entwicklung sagte nicht allen zu, es war wie zerrissene Gesellschaft. Der große Künstler George Grosz beispielsweise stand noch wegen »Angriffs auf die öffentliche Moral« und Gotteslästerung vor Gericht. Konservative Meinungen werden in der Rezeption der sogenannten Goldenen Zwanziger ebenso oft vergessen wie die verarmte Bevölkerung: Für die meisten Menschen waren die Zwanziger nicht golden. Das Lenbachhaus in München präsentiert nun eine wirklichkeitsgetreuere Sicht auf die sagenumwobenen Jahre: Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik konzentriert sich auf konkrete Geschichten und greifbare Details. Die Kunstwerke der Schau sind vom 12. Mai bis zum 27. September in München zu sehen.
Die Ausstellung präsentiert unter anderem Werke von Max Beckmann, Rudolf Belling, Käte Hoch, Heinrich Hoerle, Karl Hubbuch, Lotte Jacobi, Willy Jaeckel, Grethe Jürgens, Alfred Kubin, Jeanne Mammen, Gabriele Münter, Herbert Ploberger, Max Radler, Christian Schad, Georg Schrimpf, August Sander, Rudolf Schlichter und Christoph Voll. Als prominentes Beispiel eines konkreten, lebensnahen Details der Zeit dient die titelgebende Aussage von Kurt Tucholsky: Ein Ferngespräch soll möglichst deutlich und dialektfrei geführt werden, sonst können die Überwachungsbeamten dem Dialog nicht folgen.