Bundeskunsthalle Bonn: bahnbrechende Momente in Farbe

»Farbe ist Programm«

Am 25. August 1967 läutete der damalige Vizekanzler Willy Brandt in Westdeutschland die neue Ära des Farbfernsehens ein. Ein Moment, den die Bundeskunsthalle in Bonn in der Ausstellung Farbe ist Programm ins Gedächtnis ruft – und mit ihm über 40 Künstlerinnen und Künstler, die die Wirkkraft von Farbe medienübergreifend vor Augen führen.

08. April 2022
Eröffnung des Farbfernsehens auf der Internationalen Funkausstellung1967 in Berlin 25. August 1967
© picture-alliance/ dpa / Willi Gutberlet
Eröffnung des Farbfernsehens auf der Internationalen Funkausstellung 1967 in Berlin, 25. August 1967

Mit der Ausstellung Farbe ist Programm konstruiert die Bundeskunsthalle in Bonn einen geschichtlichen Abriss von Farben und ihrer hohen Symbol- und Wirkkraft. Farbe ist politisch, sie markiert kulturgeschichtliche Meilensteine und arbeitet wahrnehmungspsychologisch: »Farbe ist in dieser Ausstellung immer auch ein Träger von Ideen. Farbe ist und ist nicht das, was sie zu sein scheint. Farbe ist ein Mittel, um Widersprüche und Subjektivität auszudrücken«, so der Künstler und Co-Kurator Liam Gillick.

Ab dem 8. April betrachtet das Ausstellungshaus über 40 hochkarätige Künstlerinnen und Künstler wie durch ein Kaleidoskop. Begonnen bei der frühen Farbfotografie reiht die Veranstaltung verschiedene zeitgeschichtliche Abschnitte aneinander, um letztlich bei der vollumfänglichen Bedeutung von heute zu landen. Sie hält bahnbrechende Momente wie die Einläutung des Farbfernsehens durch Vizekanzler Willy Brandt 1967 fest und bringt Deutungsmöglichkeiten von Farbeinsatz in politischen Spektren zur Geltung. Ein Beispiel ist die Künstlerin Thu-Van Tran (*1979), die die farbigen Kodierungen der vom US-Militär im Vietnamkrieg eingesetzten Rainbow Herbicides nutzt. Koryphäen wie Helen Frankenthaler oder Rudolf Steiner akzentuieren Farbe ist Programm mit ihren expressiven oder anthroposophischen Herangehensweisen. Ein Highlight stellt außerdem die raumgreifende, eigens für die Große Halle von Liam Gillick gestaltete Architektur dar. Die Bundeskunsthalle hat den Parcours durch die Ausstellung bewusst frei und ohne Anleitung inszeniert, um eine assoziative Herangehensweise zu fördern. Die Schau endet am 7. August.Art.Salon

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