Humblebæk: Louisiana Museum of Modern Art zeigt Marisol
Pop-Folk-Art-Installationen
Es ist die erste große Einzelausstellung der »Queen of Pop Art« in Europa: Das Louisiana Museum of Modern Art in Humblebæk in Dänemark präsentiert mit Marisol eine radikale Künstlerin der 1960er, die anschließend schnell in Vergessenheit geriet. Die Schau eröffnet am 01. Oktober.
Marisol, The Jazz Wall, 1963, Træ, fundne objekter, papir og maling på træ, 241,3 × 271,8 × 35,6 cm, The Art Institute of Chicago, Gift of The Leonard and Ruth Horwich Family Foundation, 2016.91a-h
Sie war ein Kunststar der 1960er, spielt in der Kunstgeschichte jedoch nur eine unbedeutende Rolle: Marisol (1930-2016) war eine der radikalsten und visionärsten Kunstschaffenden ihrer Generation. Gemeinsam mit ihrem Freund Andy Warhol als »Queen and King of Pop Art« bekannt, zeichnete sie sich durch einen völlig neuartigen Ansatz aus: Die Malerin, Bildhauerin und Objektkünstlerin vereinte präkolumbische Kunst und Pop Art zu satirischen Werken zu allen Aspekten des menschlichen Lebens, darunter den Boom der US-amerikanischen Konsumgesellschaft mit ihrem weltweiten Einfluss. Häufig bezog Marisol sich selbst in ihr Werk mit ein und warf früh Fragen zu heute aktuellen Themen wie Geschlechterrollen und -gleichheit auf. Ab etwa 1970 zog sich Marisol aus der Kunstwelt zurück und ihr Werk geriet schnell in Vergessenheit. Nach mehreren großen Ausstellungen in den USA findet im Louisiana Museum of Modern Art nun die erste umfassende Einzelschau der Künstlerin in Europa statt. Marisol entstand in Zusammenarbeit mit dem Bank Austria Kunstforum Wien und dem Kunsthaus Zürich. Sie läuft vom 01. Oktober 2025 bis zum 22. Februar 2026.
Marisol, bürgerlich María Sol Escobar, wurde in Paris als Kind venezolanischer Eltern geboren. Ab 1950 lebte sie bis zu ihrem Tod größtenteils in New York, wo sie eine führende Rolle der experimentellen Kunstszene der 1960er einnahm. Besonders bekannt ist sie für ihre Installationen mit fast lebensgroßen menschlichen Figuren aus Holz und gefundenen Objekten, in denen sie Traditionen und Regeln der menschlichen Gesellschaft hinterfragt. Kurz vor ihrem Rückzug aus der Kunst nahm sie 1968 an der 4. documenta in Kassel und an der Biennale von Venedig teil. Ab 1981 war sie wieder als Künstlerin tätig, konnte jedoch nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Zu ihren bekanntesten Auftragsarbeiten gehört die Skulptur Father Damien (1969) in der hawaiischen Hauptstadt Honolulu, die dem Missionar Damien de Veuster, dem Schutzpatron der Leprakranken, gewidmet ist.
Marisol, Face Behind a Mask, 1961, Farveblyant på papir med støbt gips i skyggeboksramme af træ, 41,6 × 31,4 × 8,9 cm, Private collection, New York, Courtesy of Craig Starr Gallery
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