Bereits mit 17 Jahren konnte sich Raffael (1483-1520), wie aus einem überlieferten Vertrag hervorgeht, aufgrund seines malerischen Könnens Meister nennen. Es war der Beginn einer kurzen, ruhmreichen Laufbahn, in der Raffael wie kein Zweiter den Zeitgeschmack traf und übertraf. Seine Gemälde sind intellektuell und sensibel, sie sind die Verkörperung des italienischen Renaissance-Ideals. Zugleich navigierte Raffael souverän durch die komplexe politische Welt seiner Zeit und übernahm nach dem Tod Donato Bramantes im Jahr 1514 die Leitung des Neubaus von Sankt Peter in Rom, dem wohl wichtigsten Auftrag für einen Künstler der Zeit. Eine große Ausstellung des Metropolitan Museum in New York bringt den Maler, der mehrere Jahrhunderte lang als bester Maler aller Zeiten galt, wieder ins Rampenlicht: Raphael: Sublime Poetry ist bis zum 28. Juni in New York zu sehen.
Die Schau ist die erste umfassende Ausstellung zu Raffael in den USA. Mehr als 200 seiner Kunstwerke, neben Gemälden auch zahlreiche Teppiche und Zeichnungen aus privaten und öffentlichen Sammlungen, werden dort gezeigt. Anhand der Exponate lässt sich Raffales Weg vom jungen Lehrling in Urbino, über erste ruhmreiche Jahre in Florenz bis zu seiner Berufung nach Rom, wo er selbst Leonardo da Vinci und Michelangelo etwas in den Schatten stellte, nachverfolgen. Raffaels Ambivalenz – er gilt als der Erste, der mit nackten weiblichen Modellen arbeitete, und gleichzeitig für seine zarten Madonnenporträts verehrt wurde – faszinierte Generationen von Kunstschaffenden und Rezipienten. Die Ausstellung des Metropolitan Museum lockt außerdem mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Raffaels Werk und Technik.