New York, The Morgan Library & Museum

Der visuelle Kosmos des Tarots

In einer zweigeteilten Ausstellung präsentiert das Morgan Library & Museum von Kunstschaffenden gestaltete Tarotkarten aus dem 15. Jahrhundert sowie ihren Einfluss auf Karten aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Tarot! Renaissance Symbols, Modern Visions eröffnet am 26. Juni in New York.

25. June 2026
Bonifacio Bembo, Time from the Visconti-Sforza Tarot Cards. Italy, Milan or Cremona, ca. 1456-58
Bonifacio Bembo, Time from the Visconti-Sforza Tarot Cards. Italy, Milan or Cremona, ca. 1456-58. The Morgan Library & Museum, MS M.630.12.

Es ist das berühmteste erhaltene Kartendeck aus dem 15. Jahrhundert: Anlässlich der Hochzeit zweier mächtiger Familien aus Mailand wurden die Visconti-Sforza-Tarotkarten in Auftrag gegeben, höchstwahrscheinlich gestaltet vom Maler Bonifacio Bembo. Die verschiedenen Karten sind mit symbolischen Bildern ausgestattet, die Einblicke in das höfische Kulturleben der Frührenaissance geben. Tarot war zu der Zeit ein Geschicklichkeitsspiel. Die heutige Assoziation von Tarotkarten mit dem Okkulten kam erst im Laufe des 18. Jahrhunderts auf – beeinflusst von der symbolischen Gestaltung, die umgedeutet wurde. Das Morgan Library & Museum in New York zeigt eine Auswahl von 45 Karten aus diesem Deck sowie weitere aus dem Visconti di Modrone Tarot und dem Brambilla Tarot. Die meisten der ausgestellten jahrhundertealten Spielkarten sind erstmals in Nordamerika zu sehen.

Der zweite Teil der Ausstellung Tarot! Renaissance Symbols, Modern Visions widmet sich künstlerisch gestalteten Tarotkarten des 20. und 21. Jahrhunderts, unter anderem von Kerstin BrätschVictor BraunerAndré BretonLeonora CarringtonMarcel Dzama, Patricia Colman Smith, Robert MattaChris OfiliBetye SaarNiki de Saint Phalle und Remedios Varo. Für sie bot das Tarot eine Erweiterung der modernistischen Ästhetik, Zugang zu anderen, fantastischen Welten und sogar als Alternative zu patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Im Fokus stehen dabei die Surrealisten, die sich mehr und mehr während des Aufstiegs des Faschismus im Europa der 1930er der Magie und dem Okkulten verschrieben, und die Gegenkultur der 1960er Jahre in den USA. Ein besonderes Highlight der Ausstellung, die vom 26. Juni bis zum 04. Oktober läuft, ist ein Tarotdeck vom britischen Maler und Okkultisten Austin Osman Spare, das etwa aus dem Jahr 1906 stammt und erst kürzlich entdeckt wurde.Art.Salon

Roberto Matta, The Chariot (Le Chariot), from Arcane 17, 1944
Roberto Matta, The Chariot (Le Chariot), from Arcane 17, 1944. Lithographic proofs, approximately 7 1/2 × 3 in. (19.1 × 7.6 cm) each. Paris, Bibliothèque littéraire Jacques Doucet, BRT 98. © 2026 Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris

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