Fotografin, Surrealistin, Kriegsberichterstatterin, Model
Ab dem 02. Oktober ist das vielseitige und faszinierende fotografische Werk von Lee Miller in der Tate Britain in London zu sehen. Die Schau bildet die Bandbreite der Fotografin ab, von ihrer surrealistischen Arbeit zu Millers Fashion- und Kriegsfotografie.
Lee Miller (1907-1977) kam erstmals als Model mit der Fotografie in Kontakt. Sie arbeitete in New York mit berühmten Fotografen zusammen, zog aber 1929 nach Paris, um mit Man Ray zu arbeiten und selbst Fotografin zu werden. In den folgenden drei Jahren entstanden diverse surrealistische Straßenszenen und Interieurs. Diese kurze Episode, in der viele ihrer bekannten Arbeiten entstanden, endete durch Millers Rückkehr nach New York, wo sie erfolgreich ein eigenes Fotostudio leitete. Den Surrealismus, den sie insgesamt als Bewegung kritisch sah, da es an feministischen Bestrebungen mangelte und Frauen sexualisiert wurden, ließ sie hinter sich, fotografierte Menschen, Mode und Landschaften, wie etwa ihre seltenen Bilder aus Ägypten, die auch in der Ausstellung des Tate Britain zu sehen sind. Ab 1942 kehrte sie als Kriegsfotografin nach Europa zurück. Millers Furchtlosigkeit und ihr einzigartiger Blick sorgten für einige der bekanntesten Fotografien der 1940er: die gerade befreiten Konzentrationslager Buchenwald und Dachau sowie das Foto von Miller in Hitlers Badewanne, das am selben Tag wie die Bilder aus Dachau entstand. Gnadenlose Wahrheit und Humor sowie radikale Machtumkehrung sind wichtige Bestandteile eines herausragenden fotografischen Œuvres. Mit rund 250 Werken präsentiert die Tate Britain in Lee Miller die Komplexität der Fotografin. Die Ausstellung läuft vom 02. Oktober 2025 bis zum 15. Februar 2026 in London.
Ende des Jahres 1945 legte Miller die Kamera beiseite und fotografierte nur noch gelegentlich für die Vogue. Wie aus einem Brief von Miller hervorgeht, war die Fotografie für sie eine Waffe gegen den Nationalsozialismus geworden und nach Kriegsende hatte sie das Gefühl, nichts Relevantes mehr sagen zu können. Anders als oft wahrgenommen, nimmt der Surrealismus nur einen kleinen Teil in Millers Werk ein und war für sie selbst auch nicht so wichtig. Sie war eine eigensinnige und kompromisslose Künstlerin, die der Wirklichkeit entgegentrat. Ab den späten 1950ern widmete sie sich dem Kochen und erhielt mehrere Preise für ihre vom Surrealismus inspirierten Gerichte.