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Die westeuropäische Kunstgeschichte strotzt nur so vor Darstellungen von gefallenen Kriegern, Märtyrern und anderen heroische Figuren. Diesen Helden-Epos macht sich der US-amerikanische Künstler Kehinde Wiley zu Eigen und formt daraus ganz neue Porträts: Schwarze Menschen, die zum Schweigen gebracht wurden, treten an die Stelle der westeuropäischen Idealgestalten. Die Fondazione Giorgio Cini in Venedig greift sie nun in der Ausstellung auf.
Die Fondazione Giorgio Cini in Venedig zeigt anlässlich der 59. Biennale di Venezia ab dem 22. April Kehinde Wiley: An Archaeology of Silence. Kehinde Wileys neuestes Werk beleuchtet die Grausamkeiten der amerikanischen und globalen kolonialen Vergangenheit mithilfe der Metapher des gefallenen Helden. Die Ausstellung umfasst neuere Gemälde und Skulpturen, die an Wileys Werk DOWN von 2008 anknüpfen. Aus seiner ursprünglichen Inspiration an Holbeins Gemälde Der tote Christus im Grab wurde damals die Idee, gleich eine ganze Werkreihe an historische Gemälde und Skulpturen gefallener Krieger oder anderer heroischer Figuren anzulehnen.
Seine neueste Serie zeigt ausschließlich liegende Schwarze Körper, die die klassischen Darstellungsformen neu formen. Er lässt sie zu zeitgenössischen Versionen von Porträts werden, die durchdrungen sind von Gewalt, Schmerz und Tod, aber auch Ekstase. Mithilfe dieser zentralen Elemente reflektiert er die weltweite Ermordung junger Schwarzer Männer, sodass Betrachtende zu Zeugen von Gewaltdarstellungen an Schwarzen Körpern werden, die zuvor zum Schweigen gebracht wurden. Wiley erklärt dazu: »Das ist die Geschichte, die ich aufdecke: Das Gespenst der Polizeigewalt und der staatlichen Kontrolle über die Körper junger Schwarzer und Brauner Menschen auf der ganzen Welt.«
Wileys neu interpretierte Porträts zeigen die Personen in verletzlichen Posen. Er lässt sie die Geschichte von Überleben und Resilienz erzählen und bringt die Schönheit, die im Schrecklichen entsteht, ans Licht – alle Motive sind aus der westeuropäischen Kunstgeschichte entlehnt. Sie gehen über das rein Körperliche hinaus und dringen in den Bereich spiritueller Ikonen, von Märtyrern und Heiligen vor. Besucht werden kann die Ausstellung bis zum 22. Juli.
Kehinde Wiley (*1977, in Los Angeles) ist vor allem für seine Porträts afroamerikanischer und Menschen der afrikanischen Diaspora bekannt. 2018 war Wiley der erste afroamerikanische Künstler, der ein offizielles Porträt des US-Präsidenten für die Smithsonian National Portrait Gallery malte.