London, Tate Britain

Malerei als Experiment: Die Ästhetik James McNeill Whistlers

Er war einer der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts: In der größten Retrospektive in Europa seit 30 Jahren präsentiert die Tate Britain in London ab dem 21. Mai James McNeill Whistler. Unter den rund 150 Exponate sind zahlreiche berühmte sowie selten und noch nie öffentlich gezeigte Werke zu finden.

21. May 2026
James McNeill Whistler, Wapping, 1860-4
James McNeill Whistler, Wapping, 1860-4. National Gallery of Art, Washington.

Eine solche Gelegenheit bietet sich alle paar Jahrzehnte: In der Tate Britain in London ist das Schaffen des einflussreichen Malers James McNeill Whistler (1834-1903) in seltener Bandbreite zu sehen. Gezeigt werden (berühmte) Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skizzen. Letztere sind zum Teil noch nie zuvor öffentlich gezeigt worden. Eine weitere Seltenheit ist das Gemälde Whistler Smoking (1856-60), das erstmals seit dem Tod des Künstlers wieder in einer Ausstellung zu sehen ist. Die aktuelle Retrospektive eröffnet mit einem Raum, der von Whistlers Atelier inspiriert ist: Mehrere Selbstporträts, darunter The Artist in His Studio (1865-66, siehe Bild unten), sind von originalen Pinseln und Paletten des Malers sowie von ostasiatischen Keramiken, japanischen Drucken und selbst entworfene Möbelstücke aus seiner Sammlung umgeben, die Besuchende in die Arbeitsumgebung und den kreativen Prozess Whistlers einführen. Anschließend beginnt eine Reise durch sein umfassendes Schaffen, repräsentiert von rund 150 Exponaten. Die Ausstellung James McNeill Whistler läuft vom 21. Mai bis zum 27. September.

Whistler war bereits seit als junger Maler bekannt und entwickelte sich zu einem der einflussreichsten Maler seiner Zeit. Er stellte sich gegen malerische Traditionen und suchte nach einem neuen, persönlichen Zusammenspiel von Farbe und Linie. Dies sollte seiner Ansicht nach jeder Künstler tun und sich nicht an Naturnachahmung halten, da die »Natur nur selten recht hat«. Whistler, der als arrogant und egoistisch galt, widmete seine Kunst neuen ästhetischen Theorien und war einer der führenden Vertreter des Mottos Kunst um der Kunst willen. So sind seine Arbeiten etwa frei von moralischen Belehrungen. Der Maler veranstaltete auch eigene Gruppen- und Einzelausstellungen, bei denen er Kunstwerke umgeben von hellen Farben und wenig Möblierung präsentierte: eine neue Form der Kunstpräsentation, die die spätere White-Cube-Ästhetik vorwegnahm.Art.Salon

James McNeill Whistler, The Artist in His Studio. 1865-66
James McNeill Whistler, The Artist in His Studio. 1865-66. Art Institute of Chicago. Friends of American Art Collection.

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