Potsdam, Museum Barberini

Spuren des Einhorns

Mit Exponaten aus den vergangenen 4.000 Jahren zeichnet das Museum Barberini die komplexe Kulturgeschichte des wohl bekanntesten Fabelwesens nach: dem Einhorn. Besonders im Mittelalter war es aufgrund seiner christlichen Symbolik bedeutend für die Kunst. Die Ausstellung Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst eröffnet am 25. Oktober in Potsdam.

25. October 2025
Italienisch (Veneto), Jungfrau mit Einhorn, um 1510
Rijksmuseum, Amsterdam
Italienisch (Veneto), Jungfrau mit Einhorn, um 1510, Öl auf Leinwand, 28 × 39 cm

Angeblich ursprünglich in Indien lebend, fasziniert das Einhorn die Menschen in Europa seit der Antike. Schon Aristoteles hatte von ihm berichtet und es tauchte auch im Physiologus, dem bedeutendsten Bestiarium der Spätantike und des Mittelalters, auf. Hier wird es als Tier von der Größe eines Ziegenbocks beschrieben, mit einem einzelnen Horn, das so stark war, dass kein Jäger es erlegen konnte. Einzig gegenüber Jungfrauen zeigte es sich zutraulich. Im Physiologus werden Tieren Eigenschaften zugeschrieben, die christlich gedeutet wurden. Das Einhorn ist ein Sinnbild für Jesus, demütig und stark. Sein Tod durch den Jäger in den Armen der Jungfrau symbolisiert seinen Opfertod. Bis weit in die Frühe Neuzeit glaubten die meisten Menschen, dass es Einhörner wirklich gibt. Die Spur des Einhorns zeigt sich in der christlichen und außereuropäischen Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin und einer vielfältigen Symbolik. Im Museum Barberini können Besuchende sich auf Entdeckungsreise in die komplexe Ikonographie der Einhörner begeben: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst läuft vom 25. Oktober 2025 bis zum 01. Februar 2026 in Potsdam.

Marie Cécile Thijs, Einhorn, 2012
© Marie Cécile Thijs, courtesy SmithDavidson Gallery
Marie Cécile Thijs, Einhorn, 2012, Aus der Serie Pferde, Tintenstrahldruck 2025 auf Fine Art Baryt, aufgezogen auf Dibond mit Plexiglas und schwarzem Holzrahmen, 120 x 150 cm

Die Ausstellung versammelt fast 150 Werke aus einem Zeitraum von etwa 4.000 Jahren, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, illuminierte Manuskripte, Plastiken und Tapisserien. Viele dieser Werke werden nur selten ausgeliehen. Unter den ausgestellten Kunstschaffenden finden sich Arnold BöcklinAlbrecht DürerAngela HampelRené MagritteGustave MoreauOlaf NicolaiJoachim von Sandrart, Marie Cecile Thijs und Maerten de Vos. Das Einhorn verschwand erst im Laufe der Gegenreformation im 16. Jahrhundert aus dem christlichen Repertoire. Reformatoren kritisierten den Gebrauch von Bildern in der katholischen Kirche. Im Zuge dieser Neuausrichtung verbot die Katholische Kirche unter anderem Bilder mit anzüglichen Darstellungen, wozu auch das Einhorn mit dem Horn und seiner »Vorliebe« für Jungfrauen zählte. In anderen Kontexten ist das Einhorn bis heute fester Bestandteil unserer visuellen Kultur. Im Unterschied zu heute wurde es früher vor dem 20. Jahrhundert vor allem mit Männlichkeit in Verbindung gebracht.

Vom 13. März bis 12. Juli 2026 wird die Ausstellung im Musée de Cluny gezeigt.Art.Salon

Arnold Böcklin, Das Schweigen des Waldes, 1885
Muzeum Narodowe w Poznaniu, Posen
Arnold Böcklin, Das Schweigen des Waldes, 1885, Holz, 73 × 59 cm

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