9. Colomboscope in Sri Lanka

Rhythmus als kollektive Praxis

Vom 21. bis 31. Januar findet in Sri Lanka unter dem Titel Rhythm Alliances die neunte Ausgabe der Colomboscope statt, einem experimentellen, interdisziplinären Kunstfestival. Über 50 Künstler, Kollektive, Musiker, Choreografen, Filmemacher und Kulturveranstalter zeigen ihre Projekte an diversen frei zugänglichen Orten in der Stadt Colombo verteilt.

16. January 2026
CS2026 Banner

Colomboscope wurde im Jahr 2013 gegründet und ist seither fester Bestandteil der Kulturlandschaft Colombos. Ursprünglich ein Festival mit Fokus auf Literatur und der Stadtgeschichte, hat sich Colomboscope zu einer Bühne für interdisziplinäre und nachhaltige künstlerische Prozesse entwickelt, an dem regionale und internationale Kreative sowie Forscher teilnahmen. Bei der neunten Ausgabe des Festivals präsentieren unter dem Titel Rhythm Alliances über 50 Künstler, Kollektive, Musiker, Choreografen, Filmemacher und Kulturveranstalter 35 eigens für die Colomboscope entwickelte Projekte. Sie stellen verschiedene rhythmische Ausprägungen vor, etwa turbulent, eindringlich oder periodisch, und geben dem Festival weniger den Charakter einer Ausstellung, sondern vielmehr den eines lebendigen, genreübergreifenden Experiments, das sich angesichts eines globalen Systems, das von Konsum und Kriegen bestimmt wird, auf Erinnerung und Erneuerung konzentriert.

Elementar für die diesjährige Colomboscope ist das rhythmische Trommeln, das in vielen asiatischen und afrikanischen Kulturen tief verankert ist. Es kann Freiheit oder Befreiung symbolisieren oder wird mit göttlichen Kräften oder der Abwehr von Geistern in Verbindung gebracht. In vielen Regionen Sri Lankas werden Heilungsrituale, Zeremonien, Prozessionen und Exorzismen unter vorrangiger Verwendung von Trommeln durchgeführt. Das FOLD Media Collective, einer Non-Profit-Organisation aus freiberuflichen Kulturschaffenden, die seit 2019 maßgeblich an der Umsetzung der Colomboscope beteiligt ist, entwickelte unter diesem Gesichtspunkt das dynamische, strahlenförmige Wellenmotiv als Logo der neunten Ausgabe des Festivals: Ein minimalistisches, ausdrucksstarkes Symbol für freigesetzte Energie und Kollektivität.

Kuratiert wurde Rhythm Alliances von Hajra Haider Karrar gemeinsam mit der künstlerischen Leiterin Natasha Ginwala und dem Festivalteam. »Die neunte Ausgabe […] ist eine Beschwörung rhythmischer Übertragungen. […] Hier verschmelzen Stimme, Musikalität und die Ästhetik des Handgemachten in Bewegung und schaffen eine befreiende Sprache, die zugleich Erinnerung schafft. In diesen resonanten Zusammenkünften behauptet der Rhythmus seine Wirkkraft – ein Puls, der spricht, insistiert und verwandelt«, äußert sich die in Berlin und Karatschi lebende Kuratorin zum Konzept.

Hajra Haider Karrar, Portrait
Photo credit: Raisa Galofre
Hajra Haider Karrar, Portrait

Die künstlerische Leiterin Ginwala ergänzt: »Bei dieser Festivalausgabe steht Rhythmus als wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens, des sozialen Zusammenhalts sowie vielfältiger Bürgergeschichten und Klangwelten im Mittelpunkt. Rhythmus ist ein Feld der Darstellung von Dissens, Heilung und Erneuerung. Alles Leben beginnt und endet mit Rhythmus. Alle Lebewesen tragen unterschiedliche Rhythmen und zirkadiane Muster in sich und fließen so in eine größere, universelle Geschichte ein.«Art.Salon

Natasha Ginwala
Photo: Victoria Tomaschko
Natasha Ginwala
Deep dive:

Dive deeper into the art world

Hamburg: 9. Triennale der Photographie

Mit Arbeiten von insgesamt 279 internationalen Kunstschaffenden präsentiert die 9. Triennale der Photographie Hamburg die Vielfalt des Mediums. Zum Thema Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other werden vom 04. bis 06. Juni elf Ausstellungen nacheinander eröffnet.

03. June 2026
Brandenburg an der Havel, Kunsthalle Brennabor

25 Künstlerinnen des Netzwerks Frauenmuseum Berlin präsentieren in der Ausstellung Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss Werke aus Malerei, Grafik, Fotografie, Installation und Skulptur. Aus dem Künstlerprogramm des Art.Salon nehmen fünf Künstlerinnen teil: Ulrike Gerst, Uschi Niehaus Indenbirken, Annette Selle, Beate Selzer und Regina Weiss. Die Ausstellung ist bis zum 05. Juli in der Kunsthalle Brennabor in Brandenburg an der Havel zu sehen.

01. June 2026