Neue Projekte von Christiane Fleissner

Landschaft denken und zeichnen

Im September 2025 nahm die Künstlerin Christiane Fleissner bereits zum zweiten Mal an einem Arbeitsaufenthalt der Stiftung Kunstdepot Göschenen in der Schweiz teil. Der Art.Salon stellt ihre Erfahrungen, ihre neuen Werke und ihre weiteren aktuellen Projekte vor.

von Marius Damrow, 19. February 2026
Christiane Fleissner vor dem Atelier-Fenster, zeichnend an »Organic Ornaments«, 2025
Von der Künstlerin zur Verfügung gestellt.
Christiane Fleissner vor dem Atelier-Fenster, zeichnend an »Organic Ornaments«, 2025

Artist Residency in Göschenen

Abgeschieden und zwischen mächtigen Schweizer Bergen versteckt bietet sich Kunstschaffenden die Möglichkeit zu einem außergewöhnlichen Arbeitsaufenthalt: In einem umgebauten Zeughaus befindet sich seit 2014 die Stiftung Kunstdepot Göschenen des Kunstsammlers Christoph Hürlimann, in dem die Werke der Sammlung aber auch Studienräume und vier große, gemeinschaftliche Künstlerateliers untergebracht sind. Kunstschaffende müssen durch die Juroren des Programms für einen Aufenthalt von einem oder zwei Monaten vorgeschlagen werden. Bevorzugt werden künstlerische Positionen, die sich mit Themen der Natur und ihrem Gebrauch durch die Menschen auseinandersetzen. Die Arbeit mitten in den Alpen erfordert auch einen gewissen Grad an Bereitschaft, in der Abgeschiedenheit abseits der Kulturzentren zu arbeiten.

Die Künstlerin Christiane Fleissner aus dem Künstlerprogramm des Art.Salon nahm im September 2025 bereits zum zweiten Mal, nach einem ersten Aufenthalt 2024, an der Artist Residency teil. Sie hatte sich ursprünglich mit ihrem 2019 begonnen Kletter-Kunst-Projekt About a Moment vorgestellt, das sie während ihrer Zeit in Göschenen, inspiriert durch die einmalige Berg- und Gletscherlandschaft der Region, erweiterte. Bei ihrem zweiten Aufenthalt im Jahr 2025 setzte Fleissner die Arbeit an dem großformatigen Werk Kopf ohne Welt fort, das zum Projekt About a Moment gehört und aus den Eindrücken des ersten Aufenthalts entstand. Weiterhin entstanden erste Entwürfe zu einer Idee, die die Künstlerin eventuell als nächstes Projekt ausarbeitet: In Organic Ornaments beleuchtet sie Ähnlichkeiten in Wachstumsstrukturen von Pflanzen und dem Inneren des menschlichen Körpers.

Christiane Fleissners Arbeit »Kopf ohne Welt« im Atelier in Göschenen, 2025
Von der Künstlerin zur Verfügung gestellt.
Christiane Fleissners Arbeit »Kopf ohne Welt« im Atelier in Göschenen, 2025

Eine Besonderheit des Programms ist die Möglichkeit zum intensiven Austausch mit verwandten Positionen weiterer Kunstschaffender. Bereits 2024 lernte Fleissner die österreichische Künstlerin Maria Bussmann kennen, die ebenso wie Fleissner zu einem zweiten Aufenthalt im September 2025 eingeladen wurde. Weiterhin waren diesmal die Schweizer Othmar Eder und Sandra Böschenstein vor Ort. Im Werk aller vier Kunstschaffender ist die Zeichnung von entscheidender Rolle; sie planen eine gemeinsame Ausstellung dazu, die auch die Einflüsse des Dialogs während der Artist Residency aufgreifen könnte. Für das Jahr 2027 wurden sie zu einem erneuten gemeinsamen Aufenthalt nach Göschenen eingeladen.

Christiane Fleissner vor dem Dammagletscher, 2025
Von der Künstlerin zur Verfügung gestellt.
Christiane Fleissner vor dem Dammagletscher, 2025

Das Atelier Fleissner

Maria Bussmann und Christiane Fleissner haben bereits zusammen ausgestellt: Im letzten November präsentierten sie mit Herbert Nauderer einige Arbeiten in der Zeichnungsschau ZWISCHEN-WELTEN. Die Ausstellung wurde im Atelier Fleissner gezeigt, das Christiane Fleissner 2024 gemeinsam mit Marion Kamm und Sibylle Omlin gründete. Es befindet sich im Elternhaus der Künstlerin, ursprünglich einem 1588 errichteten Pfadererhaus, im oberbayrischen Antdorf unweit von München. In ZWISCHEN-WELTEN hat Fleissner bereits Werke der Serie Organic Ornaments vorgestellt.

Das Atelier Fleissner bietet zeitgenössischen Kunstschaffenden aus der weiter gefassten Region eine Bühne und fördert den Austausch zwischen Künstlerinnen und Künstlern. Weiterhin werden im Atelier neben zwei Kunstausstellungen pro Jahr Vorträge, Workshops und Konzerte organisiert.

Für den Herbst 2026 ist im Atelier die Fortsetzung des Symposiums Landschaftsdialoge geplant, an dem Christiane Fleissner im Frühjahr 2025 teilnahm.

Ausstellungsansicht »ZWISCHEN-WELTEN« im Atelier Fleissner, 2025
Von der Künstlerin zur Verfügung gestellt.
Ausstellungsansicht »ZWISCHEN-WELTEN« im Atelier Fleissner, 2025

Von der Küste in die Voralpen

Landschaftsdialoge ist ein Projekt, das sich aus der von Sibylle Omlin kuratierten Ausstellung Embodied Landscape im Jahr 2023 der Villa Renata in Basel entwickelt hat. Sechs Kunstschaffende aus der Schweiz und Deutschland wurden im April 2025 nach Dithmarschen eingeladen, um die Natur im Wandel und unter dem Einfluss menschlicher Tätigkeit zu erforschen: Landschaftsformung durch die Gezeiten, durch Trockenlegung und Wiedervernässung von Mooren lassen sich beobachten. Im Zentrum steht dabei das Wasser in seinen vielfältigen Formen Lebensgrundlage und -bedrohung zugleich sein kann.

Inspiriert von der flachen Landschaft fertigten die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler, die künstlerisch und auch privat der Natur und der Landwirtschaft verbunden sind, zahlreiche Skizzen, Fotografien und Texte an. Christiane Fleissner, die seit 2014 auch Imkerin ist, und die weiteren Kunstschaffenden wollen beim zweiten Symposium in Antdorf das zu Dithmarschen konträre Voralpenland untersuchen und die Einsichten aus beiden Veranstaltungen 2027 in einer Ausstellung zusammenbringen.

Ein Anliegen der teilnehmenden Kunstschaffenden des Symposiums ist es, sich intensiv mit den jeweiligen Ausstellungsorten zu beschäftigen und ortsspezifische Installationen und Performances zu kreieren. Das verspricht, ein neues, interessantes Kapitel in der Geschichte des Holzhauses, das das Atelier Fleissner beherbergt, zu werden.Art.Salon

Deep dive:

Dive deeper into the art world

Künstlerisches Forschungsprojekt »About a Moment« von Christiane Fleissner

Seit 2019 verfolgt die Künstlerin Christiane Fleissner ihr künstlerisches Forschungsprojekt About a Moment. Ihre Wahrnehmung von Raum und Zeit bei Klettertouren in den Alpen bilden die Grundlage für ihre Collagen und fotografischen Skulpturen: sie stellen den linearen Zeitverlauf in Frage.

von Marius Damrow, 07. March 2024
Hamburg: 9. Triennale der Photographie

Mit Arbeiten von insgesamt 279 internationalen Kunstschaffenden präsentiert die 9. Triennale der Photographie Hamburg die Vielfalt des Mediums. Zum Thema Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other werden vom 04. bis 06. Juni elf Ausstellungen nacheinander eröffnet.

03. June 2026